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01. August 2018

Zwielichtige Vermieter und Beweise kanadischer Freundlichkeit – Turbulenter Start ins Auslandsabenteuer

Sadok Fennira kommt aus Tunesien und studiert an der Hochschule Zittau/Görlitz Maschinenbau. Zur Zeit absolviert er sein Praxissemester in Kanada. Über seine Erfahrungen und Erlebnisse im Ausland berichtet er regelmäßig auf unserem Blog.Teil 1: Die erste Nacht in Kanada

Für mein Praxissemester in der „Schulich School of Engineering“ der University of Calgary habe ich Anfang Mai meinen Flug nach Alberta, Kanada angetreten. Nach 11-stündiger Anreise kam ich kurz nach Mitternacht an einem praktisch leeren Flughafen an. Dort suchte ich mir ein Taxi für den Weg zu meiner Unterkunft. Nach kurzen Kommunikationsschwierigkeiten (4410 steht wohl nicht, wie ich dachte für die PLZ, sondern setzt sich aus der Hausnummer und anderen Ziffern zusammen) startete meine rund 20-minütige Fahrt in das Herz Calgarys und somit auch endgültig mein Abenteuer Kanada.Am Ziel angekommen durfte ich netterweise das Handy meines Taxifahrers nutzen, um den Hausbesitzer über meine Ankunft zu informieren. Dieser versprach mir, in sieben Minuten dort zu sein, also verabschiedete ich mich von meinem Fahrer, ließ mir noch eine Taxi Service Card geben und war von nun an wieder auf mich alleine gestellt – mitten in der Nacht, in einem fremden Land, ohne Gesellschaft oder auch nur eine inländische Simkarte zu haben.Die Begegnung mit dem Hausbesitzer bestätigte dann leider das ungute Gefühl, das ich schon bei unserem ersten Kontakt hatte, da aber noch zu ignorieren versuchte. Nicht nur, dass mir seine Redeweise und sein Verhalten seltsam vorkamen, er hatte mir auch vorenthalten, dass die Unterkunft eine bereits bewohnte WG war. Beim Blick in mein zukünftiges Zimmer stand für mich dann endgültig fest: Hier will ich nicht leben. Keine 5 Monate. Nicht in diesem Zimmer, nicht mit diesem Vermieter. Der Raum war dunkel, dreckig, der Schreibtisch winzig.Wir begannen über die Dauer meines Aufenthaltes in dem Zimmer zu diskutieren, bis er mir schroff entgegenwarf: „Entweder die vollen 5 Monate oder du gehst jetzt raus!“. „Gut dann gehe ich raus“… Damit stand ich also draußen, sah dem im Dunkeln verschwindenden Auto des Vermieters hinterher und realisierte langsam, was ich getan hatte. Wie vor seiner Ankunft bei der Unterkunft war ich wieder alleine mit meinem schweren Koffer, mitten in der Nacht in Kanada. Jetzt allerdings ohne ein Zuhause und ohne einen Plan.Da fiel mir die Service Card wieder ein, die mir der Taxifahrer gegeben hatte. Ich wählte die Nummer darauf und fragte die Frau am anderen Ende um Rat nach einem günstigen Hotel in der Nähe. Daraufhin schickte sie mir einen Fahrer, der mich beraten und an mein Ziel bringen würde. Und jemand besseren hätte sie mir in meiner Lage nicht schicken können.Munawar kommt aus Pakistan und war ziemlich bestürzt, als ich ihm erzählte, was mir gerade passiert war. Er hatte Mitleid mit mir und eine Idee für mich: Sein Freund und Kollege Ameer habe ein freies Zimmer, in dem ich vielleicht unterkommen könne. Einen kurzen Anruf später hatte ich die Zusage für eine vorläufige Unterkunft. Mir fiel ein erster Stein vom Herzen.Wir trafen Ameer, der ebenfalls gerade seine Nachtschicht beendete und Munawar machte uns bekannt. Und trotz allem, was er für mich getan hatte, verlangte er sogar statt 40$ nur 20$ für die Fahrt. Unendlich dankbar und mit der Hoffnung auf ein Dach überm Kopf verabschiedete ich mich von ihm und stieg zu Ameer ins Auto.In seiner Wohnung angekommen, zeigte er mir das freie Zimmer und ging schlafen. Erleichtert, doch noch ein erstes Zuhause und nette Leute gefunden zu haben, ließ mich komplett erschöpft ins Bett fallen. Das war meine erste Nacht in Kanada.