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10. April 2017

Vom Dreiländereck in den Melting Pot - Mein Praxissemester am Institut Pasteur in Paris

Kaum etwas bereichert und erweitert den eigenen Erfahrungshorizont wohl mehr, als die Chance für längere Zeit in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten. Als nun im Laufe meines Bachelorstudiums das Praxissemester immer näher rückte, war für mich klar, dass ich diese mir gegebene Möglichkeit ergreifen wollte, nicht nur für ein Semester lang in mein späteres Berufsleben hinein zu schnuppern, sondern auch eine andere Sprache und Kultur besser kennenzulernen.Während meines Studiums ist mir vor allem der sprachliche Aspekt immer mehr vor Augen getreten. Jedes größere Labor oder Institut hat Angestellte internationalen Ursprungs und nicht selten wird dann auf Englisch, manchmal sogar Französisch oder Spanisch miteinander kommuniziert. Hinzu kommt, dass Englisch nicht nur Weltsprache sondern auch unsere wissenschaftliche Fachsprache ist, in der jegliche Fachliteratur und Publikationen abgefasst werden. Damit war für mich der Entschluss gefasst, dass von der Hochschule festgesetzte Praxissemester im Ausland zu verbringen.Nach vielen Bewerbungen in Großbritannien, Spanien und Frankreich und ebenso vielen Absagen oder nie beantworteten Anfragen, hatte ich das Glück über Vermittlung eines meiner Hochschulprofessoren eine Stelle am Institut Pasteur in Paris angeboten zu bekommen. Eine erneute Anfrage, Kontakt hergestellt und dann die Zusage. Doch damit war erst ein Teil der Arbeit getan. Bewerbungsauflagen vom Institut, Arztbesuche, Zertifikate, die notariell beglaubigt und übersetzt werden mussten, Finanzierungen über ERASMUS haben das Ganze noch eine Weile in die Länge gezogen. In meinem Fall sogar fast 2 Monate, weil mehrmals wichtige Dokumente auf dem postalischen Weg von Deutschland nach Frankreich oder zurück verloren gegangen waren und man sich dann schnellstmöglich um Ersatz kümmern musste. Also wichtig: lasst euch nicht zu viel Zeit mit der Planung!Auch die Wohnungssuche sollte recht zeitnah in Angriff genommen werden, denn selbst wenn Paris eine Studentenstadt ist, ist das Angebot an einigermaßen bezahlbaren Unterkünften leider sehr beschränkt und mit viel Glück und Wartezeit verbunden. Ich empfehle, Anfragen an die Cité de l’Université zu stellen, damit ihr ein Zimmer in einem der Studentenwohnheime bekommt. Aber hier gibt es auch lange Wartezeiten und viel mehr Anfragen als Angebote. Ansonsten kann man über ERASMUS, facebook und co. auch gut Inserate für WGs und Zimmer zur Untermiete stellen. Wenn alle Stricke reißen sollten, bieten viele Leute in und um Paris auch über AirBnB und andere Plattformen relativ günstige Zimmer an. Wichtig dabei: Die Lebenshaltungskosten in Paris sind locker das drei- bis vierfache von Zittau, also seid nicht allzu geschockt von Mietpreisen von über 600€ für ein 8 m² Zimmerchen…!Ansonsten ist Paris vor allem auf kultureller Ebene sehr studentenfreundlich. Gratis Eintritt für die meisten Monumente, Museen und andere Sehenswürdigkeiten und sonst ein starker Nachlass für Kino, Theater, etc. Auch werden gerade von ERASMUS oder der STAPA (Veranstaltungsgruppe vom Institut Pasteur) viele Aktivitäten, Abende, Feste und sogar Wochenend-Trips in ganz Frankreich gratis oder für kleines Geld angeboten.

Das Institut Pasteur bietet seinen Angestellten auch vielseitige Angebote. Aber vielleicht erst einmal ein paar allgemeine Fakten zu meiner Praktikumsstelle:Gegründet 1887 von seinem Namensgeber Louis Pasteur ist das Institut Pasteur - ähnlich dem deutschen Robert-Koch-Institut - eines der größten und ältesten Forschungsinstitute Europas auf den Gebieten Biochemie, Medizin, Biologie und Chemie. Es erstreckt sich über mehrere Häuserblocks hinweg und beherbergt neben modernen Laboratorien auch Restaurants, Cafés, Wohnungen, Bibliotheken, eine Bar und sportive Einrichtungen und auch heute noch die einstigen Wohn- und Forschungsräume Pasteurs in Form eines Museums.Meine Arbeit spielte sich in der Abteilung für pathogene gram-positive Bakterien ab, die in einem der ältesten Gebäude des Campus untergebracht ist. Mein Betreuer Dr. Tarek Msadek begrüßte mich an meinem ersten Arbeitstag, führte mich auf dem Institutsgelände herum, stellte mich meinen Arbeitskollegen vor und erklärte mir ausführlich meine Arbeit, die die Basis meiner Bachelorarbeit darstellen sollte. Meine Aufgabe bestand darin, das bislang unerforschte PhoRP Zwei-Komponenten-System in Staphylococcus aureus, welches zur Phosphat-Regulation verantwortlich ist, zu untersuchen. Ziel war es, sowohl Struktur als auch Funktionsweise dieses Systems über verschiedene genetische Analysen, als auch die jeweils durch Phosphat-Mangel überexprimierten Gene zu identifizieren und zu charakterisieren. Erfreut stellte ich fest, dass nur wenig davon Neuland für mich darstellte, da vieles von dem, womit ich arbeiten sollte, in Modulen wie Mikrobiologie, Genetik, Gentechnik, Biochemie oder Upstream-Processing innerhalb meines Studiums in Zittau behandelt worden war. Ebenso war man relativ positiv überrascht, wie viel Wissen und praktische Erfahrung ich bereits mitbrachte, was ich einerseits den vielen studienbegleitenden Praktika, als auch den freiwilligen, von der Hochschule übermittelten Praktika zuschreibe. So hatte ich im Sommer zuvor von IAESTE und dem Auslandsamt der Hochschule das Angebot eines 2 monatigen Praktikums in Schottland bereits wahrgenommen und konnte so bei Beginn meines Praxissemesters schon einige Methoden und Experimente ohne Probleme selbstständig umsetzen.Um nochmals auf das Thema Sprachen zurückzukommen; da das Institut selbst international ist, kommt ihr hier ohne Probleme nur mit Englisch voran. Für das Leben außerhalb der Arbeit empfehle ich jedem zumindest Basisfranzösisch! Aber keine Sorge, ich kann euch aus eigener Erfahrung sagen, dass man in 7 Tagen mehr lernt, als nach 7 Jahren Sprachunterricht.Also, wer auch mit dem Gedanken spielt, sich sowohl praktisch als auch persönlich im Ausland zu bereichern, dem gebe ich zusammenfassend folgende Ratschläge:
  • Trefft frühzeitig die Entscheidung, ob und wohin ihr ins Ausland wollt
  • Redet mit Professoren, dem Hochschul-Auslandsamt und ggf. dem Dekan über eure Entscheidung
  • Bewerbt euch an vielen verschiedenen Stellen und verliert bei Absagen nicht den Mut und die Geduld
  • Kümmert euch so früh wie möglich um Finanzierungshilfen, Unterkunft, Versicherungen und ggf. Mobilität, Visa oder Impfungen
  • Lasst euch nicht von der Sprachbarrie abschrecken und seid nicht allzu frustriert, wenn ihr euch anfangs nicht so ausdrücken könnt wie ihr gerne möchtet
  • Genießt die Zeit in vollen ZügenFür mich war eine wunderbare Zeit, in der ich wertvolle Kontakte knüpfen konnte, gute Freunde gefunden habe, persönlich gewachsen bin und endlich herausgefunden habe, wie ich meine berufliche und persönliche Zukunft gestalten will. Trotz mancher Steine, die sich mir währenddessen in den Weg gestellt haben, bereue ich meine Entscheidung keine Sekunde und wünsche jedem eine ebenso schöne Zeit.Es lohnt sich!Bonne chance et bisous à tous!
    Anne Jordan, NBb13