Kaum etwas bereichert und erweitert den eigenen Erfahrungshorizont wohl mehr, als die Chance für längere Zeit in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten. Als nun im Laufe meines Bachelorstudiums das Praxissemester immer näher rückte, war für mich klar, dass ich diese mir gegebene Möglichkeit ergreifen wollte, nicht nur für ein Semester lang in mein späteres Berufsleben hinein zu schnuppern, sondern auch eine andere Sprache und Kultur besser kennenzulernen.Während meines Studiums ist mir vor allem der sprachliche Aspekt immer mehr vor Augen getreten. Jedes größere Labor oder Institut hat Angestellte internationalen Ursprungs und nicht selten wird dann auf Englisch, manchmal sogar Französisch oder Spanisch miteinander kommuniziert. Hinzu kommt, dass Englisch nicht nur Weltsprache sondern auch unsere wissenschaftliche Fachsprache ist, in der jegliche Fachliteratur und Publikationen abgefasst werden. Damit war für mich der Entschluss gefasst, dass von der Hochschule festgesetzte Praxissemester im Ausland zu verbringen.Nach vielen Bewerbungen in Großbritannien, Spanien und Frankreich und ebenso vielen Absagen oder nie beantworteten Anfragen, hatte ich das Glück über Vermittlung eines meiner Hochschulprofessoren eine Stelle am Institut Pasteur in Paris angeboten zu bekommen. Eine erneute Anfrage, Kontakt hergestellt und dann die Zusage. Doch damit war erst ein Teil der Arbeit getan. Bewerbungsauflagen vom Institut, Arztbesuche, Zertifikate, die notariell beglaubigt und übersetzt werden mussten, Finanzierungen über ERASMUS haben das Ganze noch eine Weile in die Länge gezogen. In meinem Fall sogar fast 2 Monate, weil mehrmals wichtige Dokumente auf dem postalischen Weg von Deutschland nach Frankreich oder zurück verloren gegangen waren und man sich dann schnellstmöglich um Ersatz kümmern musste. Also wichtig: lasst euch nicht zu viel Zeit mit der Planung!Auch die Wohnungssuche sollte recht zeitnah in Angriff genommen werden, denn selbst wenn Paris eine Studentenstadt ist, ist das Angebot an einigermaßen bezahlbaren Unterkünften leider sehr beschränkt und mit viel Glück und Wartezeit verbunden. Ich empfehle, Anfragen an die Cité de l’Université zu stellen, damit ihr ein Zimmer in einem der Studentenwohnheime bekommt. Aber hier gibt es auch lange Wartezeiten und viel mehr Anfragen als Angebote. Ansonsten kann man über ERASMUS, facebook und co. auch gut Inserate für WGs und Zimmer zur Untermiete stellen. Wenn alle Stricke reißen sollten, bieten viele Leute in und um Paris auch über AirBnB und andere Plattformen relativ günstige Zimmer an. Wichtig dabei: Die Lebenshaltungskosten in Paris sind locker das drei- bis vierfache von Zittau, also seid nicht allzu geschockt von Mietpreisen von über 600€ für ein 8 m² Zimmerchen…!Ansonsten ist Paris vor allem auf kultureller Ebene sehr studentenfreundlich. Gratis Eintritt für die meisten Monumente, Museen und andere Sehenswürdigkeiten und sonst ein starker Nachlass für Kino, Theater, etc. Auch werden gerade von ERASMUS oder der STAPA (Veranstaltungsgruppe vom Institut Pasteur) viele Aktivitäten, Abende, Feste und sogar Wochenend-Trips in ganz Frankreich gratis oder für kleines Geld angeboten.

- Trefft frühzeitig die Entscheidung, ob und wohin ihr ins Ausland wollt
- Redet mit Professoren, dem Hochschul-Auslandsamt und ggf. dem Dekan über eure Entscheidung
- Bewerbt euch an vielen verschiedenen Stellen und verliert bei Absagen nicht den Mut und die Geduld
- Kümmert euch so früh wie möglich um Finanzierungshilfen, Unterkunft, Versicherungen und ggf. Mobilität, Visa oder Impfungen
- Lasst euch nicht von der Sprachbarrie abschrecken und seid nicht allzu frustriert, wenn ihr euch anfangs nicht so ausdrücken könnt wie ihr gerne möchtet
- Genießt die Zeit in vollen ZügenFür mich war eine wunderbare Zeit, in der ich wertvolle Kontakte knüpfen konnte, gute Freunde gefunden habe, persönlich gewachsen bin und endlich herausgefunden habe, wie ich meine berufliche und persönliche Zukunft gestalten will. Trotz mancher Steine, die sich mir währenddessen in den Weg gestellt haben, bereue ich meine Entscheidung keine Sekunde und wünsche jedem eine ebenso schöne Zeit.Es lohnt sich!Bonne chance et bisous à tous!
Anne Jordan, NBb13