Mit Spannung starteten wir nach einer erholsamen und vergleichsweise kalten Nacht in den Tag. Statt Klimaanlage lief nun die Heizung in unseren Hotelzimmern. Einige hatten das Glück einen Balkon zu haben und hofften auf schöne Aussicht. Am Vorabend konnten wir noch nichts wirklich sehen von Sa Pa da wir erst im Dunkeln angekommen waren. Am Morgen jedoch war es nicht groß anders, da dichter Nebel herrschte. Dies lag an dem Ort, der sich auf 1.600 m Höhe befindet.Es gab ein vielfältiges Frühstücksbuffet und zum Erstaunen aller sogar Käse. Dies ist äußerst ungewöhnlich in Vietnam. Die meisten von uns hatten sich inzwischen an gebratene Nudeln, Suppe und Reis gewöhnt, das typische vietnamesische Frühstück.Während wir vor dem Hotel auf unseren Tourguide warteten, kamen wir in ersten Kontakt mit den H’Mong. Dies ist eine ethnische Minderheit, welche in der Gegend rund um Sa Pa beheimatet ist. Die Frauen trugen traditionelle bunte Kleidung und auf ihren Rücken vollgepackte Körbe, sowie teilweise auch noch ihre kleinen Kinder. Mit gutem Englisch begrüßten sie uns freundlich und erfragten woher wir kommen. Sie sagten, wir sollen sie in Erinnerung behalten, denn wir würden sie dann wiedertreffen. Ein Bus brachte uns schließlich zum Startpunkt unserer Wandertour.
Das Wandern ist der Studenten Lust
In der Hand mit unseren zuvor erstellten Bewertungsbögen für die Ortsanalyse starteten wir unsere Wandertour. Diese erfolgte in Partnerarbeit von jeweils einem deutschen und einem vietnamesischen Studenten. Die anfängliche Schüchternheit der Vietnamesen war verflogen und wir haben so einiges austauschen können. Es ist schon sehr interessant wie unterschiedlich das Studentenleben in einem anderen Land ist und was die jungen Vietnamesen für Wünsche haben.Wie versprochen warteten auch die gleichen Frauen an unserem Startpunkt, die wir bereits vor unserem Hotel in Sa Pa kennengelernt hatten. Sie begleiteten uns während der gesamten Wanderung und erzählten uns viel über die Region, ihr Leben und hatten auch großes Interesse an unserem. Auch hier bemerkten wir wieder die kulturellen Unterschiede, denn die Distanzverhältnisse waren minimal. Erneut kamen uns die Vietnamesen sehr nahe und berührten uns häufig am Arm. Es war ein schmaler Grat zwischen Freundlichkeit und Aufdringlichkeit.
Money, money, money
Neben der Landwirtschaft und dem Verkauf von selbst hergestellten Produkten ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle in der Provinz Lao Cai. Wir besichtigten sehr einfach ausgestattete Häuser der Einheimischen sowie einige lokale Homestays. Im ersten Homestay erholten wir uns etwas von dem steilen Anstieg. Die H’Mong-Frauen nahmen ihre Körbe ab und zum Vorschein kamen selbst hergestellte Produkte. Diese priesen sie wie wild an und uns allen wurde nun einiges klar. Es stellte sich heraus, dass der Smalltalk am Hotel und die Wanderbegleitung quasi Werbung in eigener Sache waren. Eine Vielzahl an verschiedenen selbstgenähten Taschen, Tischdecken oder Kissenbezügen mit gestickten Mustern oder Indigodruck standen zum Verkauf. Natürlich konnten wir nicht wiederstehen und haben alle ordentlich zugeschlagen. Das Wissen, dass der Erlös aus dem Verkauf in den Dörfern der H‘Mong bleibt, war gleich noch ein weiterer Grund ein Souvenir mehr zu kaufen.Als wir am Ziel, dem Dorf Ta Phin, ankamen, erwartete uns ein typisch vietnamesisches Mittagessen. In der oberen Etage besichtigten wir nach dem sehr leckeren Essen ein weiteres Homestay. Dieses war sehr spartanisch eingerichtet. Unten wurde in der Zwischenzeit der Raum umgebaut. Wo wir vor wenigen Augenblicken noch gegessen hatten, standen jetzt Stuhlreihen und Eimer. Diese waren mit heißem Wasser und Kräutern gefüllt. Wir steckten unsere nackten Füße rein und genossen die Wohltat. Unsere Dozenten, die von dem Kräuterbad aus dem letzten Jahr zuvor schwärmten, hatten nicht zu viel versprochen.Letzter Austausch, reisekranke Vietnamesen und ein vergessener Koffer

Last but not least
In kleinen Gruppen fassten wir die Ergebnisse der Bewertungsbögen, von der am Vortag durchgeführten Ortsanalyse, zusammen. Daraus konnten die Stärken und Schwächen der Region abgeleitet werden, die von jeder Gruppe zu den unterschiedlichen Kategorien präsentiert wurden. Aufgrund fehlender Zeit wurden die Bewertungsbögen im Vorhinein leider nicht überarbeitet und damit nicht an die vietnamesischen Standards angepasst. Dadurch fiel uns extrem auf, wie unterschiedlich die Normen in zwei Ländern sein können. So gibt es in den untersuchten Orten vor allem Homestays und keine typischen Hotels wie wir sie kennen. Diese haben grundsätzlich keine klassische Rezeption. Außerdem fanden wir dort auch keine Museen vor, denn unsere Wanderung führte durch die Region als lebendes Museum selbst. In Vorbereitung auf die Sommerschule im Oktober, wenn die vietnamesischen Studenten und Dozenten nach Görlitz kommen, gab es abschließend eine kleine Hausaufgabe für alle. Denn um das Projekt abzurunden, gilt es nun aus den erarbeiteten Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken Handlungsempfehlungen und Strategien abzuleiten. Diese sollen dazu dienen die Angebote für den Community Based Tourism in der Region um Sa Pa auszubauen und zu verbessern.