Als Studentin im Masterstudiengang „Internationales Tourismusmanagement“ ist im Modulkatalog vorgesehen, ein Semester im Ausland zu verbringen. Für mich war schon seit Beginn meines Bachelorstudiums vor fünf Jahren klar, dass ich dieses gern auf Bali verbringen möchte.
Vorbereitungsphase: Warum gerade Indonesien?
Viele meiner VorgängerInnen absolvierten ihr Auslandssemester ebenso auf der touristischsten aller indonesischen Inseln – auf Bali. Und auch ich kann es nur aus voller Überzeugung empfehlen! Natürlich muss jedem bewusst sein, dass das Studienprogramm an der UDAYANA University nicht durch seine theoretischen Inhalte überzeugt. Um ehrlich zu sein, lag für mich der Fokus viel mehr auf der Tatsache, einmal in einem tropischen Land unter Palmen studieren zu können, neue Kulturen kennenzulernen und seinen persönlichen Horizont zu erweitern. Der Wirtschafts-Campus der Universität, in welchem ich eingeschrieben war, liegt nicht wie ein Großteil der Universitätsgebäude in der Hauptstadt Denpasar, sondern in Jimbaran. Die Stadt befindet sich direkt am Meer, von der Uni bis zum Strand sind es knapp 10 Minuten mit dem Roller. Auf jeden Fall ein Pluspunkt! Außerdem habe ich von Anfang an geplant, nach dem Auslandssemester an der Universität weitere vier Wochen in Indonesien zu verbringen, um auch die restlichen Inseln rund um Bali kennenzulernen und zu erkunden. Bei einer Flugzeit von 18 Stunden würde ich es auch jedem nahelegen, die Chance zu nutzen! An dieser Stelle direkt ein weiterer Tipp: Für alle Studierenden aus Sachsen lohnt sich ein Blick auf die Flugdaten von Prag nach Denpasar. Hier fliegen genauso die größeren Airlines wie Emirates oder Qatar Airways ab. Bei manchen Angeboten sind die Flüge sogar günstiger als von Deutschland aus und die Anreise mit dem Auto war ebenso unkompliziert, da der Flughafen der tschechischen Hauptstadt über ein sehr gutes Parkleitsystem verfügt!
Eine weitere Entscheidung, die im Vorhinein getroffen werden muss: Ziehe ich vor Ort los und suche mir eine Unterkunft oder buche ich schon im Voraus? Für meine Vorbereitung traf Letzteres zu und ich hatte wirklich Glück mit meinem kleinen Apartment mit eigenem Bad und Gemeinschaftsküche. Allerdings gab es genauso KommilitonInnen, die sehr schöne Unterkünfte bei der Suche vor Ort gefunden haben. Hier ist natürlich der Vorteil, dass keine Provisionsgebühren an Agenturen gezahlt werden müssen, sondern direkt mit den Vermietern auf Bali verhandelt werden kann, besonders, wenn man eine Unterkunft über mehrere Monate bewohnen möchte. Ganz sinnvoll war hier tatsächlich auch die WhatsApp-Gruppe mit allen deutschen Studierenden, die im gleichen Semester wie ich studieren würden. So anstrengend der Austausch von 200 Studierenden manchmal auch war, in der Vorbereitung beseitigte die Kommunikation einige Unklarheiten und vor allem konnten so schon erste Kontakte geknüpft und MitbewohnerInnen für eine Villa gefunden werden.


Das Studium auf Bali
Wie bereits angedeutet, sind wir in Deutschland an unserer Hochschule sehr verwöhnt, was die gesamte Organisation des Studiums und die vermittelten Inhalte angeht. Sei es die im Rahmen des akademischen Viertels gewohnte Pünktlichkeit des Vorlesungsbeginns, die Einhaltung des Stundenplans oder die Strukturiertheit der DozentInnen in den einzelnen Seminaren – auf Bali ticken die Uhren komplett anders! Für mich war die Umstellung gar kein Problem, einige KommilitonInnen kamen damit allerdings weniger gut klar. Ich denke aber, dass dies Einstellungssache beziehungsweise eine Frage der Erwartungshaltung zu Semesterbeginn ist. Nun folgen ein paar Fakten zum Aufbau des IBSN Studienprogramms auf Bali: Das Semester teilt sich in 12 Wochen auf, nach der Hälfte gibt es nochmal einen Semester Break von zwei Wochen. Die reine Vorlesungszeit am Campus war jede Woche war von Montag bis Mittwoch, jeweils von 8.30 Uhr morgens bis maximal 14.00 Uhr. Zusätzlich werden Exkursionen organisiert, die sich dann auf Donnerstag oder Freitag beschränken.
Hierbei werden den Studierenden viele Möglichkeiten zu Mitentscheidung gegeben, was nicht zuletzt an der Einteilung in verschiedene Empowerment-Teams liegt. Nach dem Ausfüllen eines Fragebogens wird jede/-r Studierende einem Team zugeteilt, bestehend aus 2-5 Personen, welches dann vor Ort für bestimmte Aufgaben verantwortlich ist; beispielsweise die Organisation von Exkursionen, Sportevents oder Charity-Veranstaltungen. Was anfangs etwas stressig klang, stellte sich aber als sehr sinnvoll heraus. Zum einen lernte man seine KommilitonInnen um einiges besser kennen und zum anderen konnten wir so direkten Einfluss auf die Aktivitäten nehmen. Neben einem Balinesisch-Kochkurs und dem Besuch einer Schokoladenfabrik, fand ebenso die Adoption einer Baby-Schildkröte im Rahmen der Exkursionen statt. Wichtig zu erwähnen ist vielleicht auch noch, dass es eine Anwesenheitspflicht bei allen universitären Veranstaltungen gibt. Diese muss zu den Abschlussprüfungen zum Ende des Semesters mindestens 75 % betragen.


Freizeitgestaltung und Ausflüge
Neben den Exkursionen und den Veranstaltungen der Universität blieb ein großes Zeitfenster für private Ausflüge und Unternehmungen mit Freunden. Von den schönen Stränden im Süden bis hin zum Dschungel im Norden der Insel konnte ich innerhalb meines fünfmonatigen Aufenthalts alles erkunden und ich könnte spontan nicht sagen, was mir am besten gefallen hat! Hervorzuheben sind aber vor allem die vielen neuen Erfahrungen, die ich machen konnte. Ich habe beispielsweise meine erste Surfstunde gehabt und zum ersten Mal Yoga gemacht. Außerdem konnte ich mit einem Einheimischen eine geführte Trekking-Tour durch den tropischen Wald unternehmen und durch die liebenswerten und offenen Balinesen eine komplett andere Kultur kennenlernen. Mein absolutes Highlight ist und bleibt aber vermutlich die nächtliche Wanderung auf den Vulkan Batur. Diesen Augenblick, als ich nach dem zweistündigen Aufstieg oben stand und den wunderschönen Sonnenaufgang auf Lombok beobachten konnte, werde ich nie wieder im Leben vergessen!

Apropos Lombok: Wie bereits erwähnt, lohnt sich auch der Besuch der zahlreichen benachbarten Inseln Balis, entweder in den Semesterferien oder im Anschluss an die Abschlussprüfungen. Im Vergleich zum sehr vom Tourismus dominierten Bali, sind die Nachbarinseln alle noch etwas ursprünglicher und dadurch meiner Meinung nach authentischer. Nun bin ich bereits wieder seit einigen Wochen zurück in Deutschland und kann mein Auslandssemester mit etwas Abstand bewerten. So sehr ich mich nach dem Auslandsaufenthalt wieder auf Zuhause gefreut habe, so groß ist mittlerweile auch wieder die Sehnsucht nach meiner Zeit in Indonesien! Ich kann es wirklich jedem/jeder Studierenden empfehlen, diese Chance während des Studiums zu nutzen und ein Semester auf Bali zu verbringen. Ihr werdet es nicht bereuen.