Ich habe im Rahmen meines Bachelor-Studiums „Tourismusmanagement“ ein Praxissemester in Kapstadt, Südafrika, absolviert. Mein Praktikum begann Anfang April und dauerte bis Ende August an. Mein Praktikumsbetrieb war das ortsansässige Hostel „Ashanti Lodge“.Vorbereitung/OrganisationZu meinem Praktikumsplatz in Kapstadt kam ich wie die Jungfrau zum Kind. Frühzeitig stand für mich fest, dass ich mein Praxissemester im Ausland absolvieren will. Wohin es dabei gehen sollte, war für mich anfänglich nicht einmal entscheidend. Hauptsache schön weit weg und „exotisch“ sollte es sein. Ein Land wo man nun mal nicht wieder so schnell hinkommt.Zunächst recherchierte ich nach Praktikumsplätzen in Kuba und Vietnam, wobei ich zufällig, durch einen Querverweis auf einer weltweite Praktikumsvermittlungswebsite, deren Name mir entfallen ist, auf die Annonce meines späteren Praktikum Betriebes, „Ashanti Lodge“, stieß.Die Stellenbeschreibung passte dabei so gut auf mich wie selten eine zuvor.Gesucht wurde ein Student mit touristischem Studiengang für ein Praktikum im Bereich Marketing und Buchführung. Weiterhin wurden gute Englischkenntnisse und, da die Hauptzielgruppe des Unternehmens Backpacker (also Rucksackreisende) sind, auch Erfahrungen mit dieser Form des Reisens vorausgesetzt. Beides hatte ich durch meinen einjährigen Auslandsaufenthalt in Australien zu genüge gelernt bzw. gesammelt. Außerdem liebe ich diese Form des Reisens und sehe meine berufliche Zukunft nach Abschluss meines Studiums auch eher in diesem Bereich als in der Luxushotellerie.Aus den genannten Gründen musste ich also nicht lange überlegen und beschloss mich umgehend für das Praktikum zu bewerben.Wenige Tage später bekam ich auch schon eine Antwort in der Interesse an mir bekundet wurde. Der nächste Schritt war dann ein Skype-Interview mit Lesley, der Managerin des Haupthauses von „Ashanti Lodge“. Hier wurden mir die Aufgaben erklärt, welche mich im Unternehmen erwarten würden und ich konnte wirklich alle Fragen loswerden, welche mir durch den Kopf gingen. Das ganze Gespräch war sehr angenehm und Lesley stellte mir in Aussicht, dass sie mich gerne einstellen würde. Allerdings galt es noch eine letzte Hürde zu überwinden. Da ich auch dafür verantwortlich sein sollte, den Blog des Hostels zu schreiben, wollte das Management vorher noch einen von mir auf Englisch verfassten Blogeintrag über die Beweggründe für meine Wahl Südafrikas als Praktikumsdestination haben. Dies sollte im Endeffekt jedoch auch kein Problem darstellen und so war es also in Stein gemeißelt. Auf nach Südafrika.In Vorbereitung auf das Praktikum musste zunächst das Visum organisiert werden. Da Südafrika auf Grund von vermehrter Arbeitsmigration kaum noch Praktikumvisa vergibt, wurde mir von Seiten meines Praktikumbetriebes empfohlen, nur mit einem Touristenvisum, welches man als Deutscher problemlos am Zielflughafen erhält, einzureisen und dies dann vor Ort zu verlängern. Probleme treten nur dann auf, wenn man für sein Praktikum entlohnt wird, was bei mir aber nicht der Fall war.Ansonsten kümmerte ich mich im Vorfeld nicht sehr sorgfältig um Einreisebestimmungen, da ich damit noch nirgends Probleme hatte. Dies sollte mir im wahrsten Sinne des Wortes teuer zu stehen bekommen. An meinem Abflughafen in Frankfurt verlangte die Fluggesellschaft nämlich bereits ein Rückflugticket von mir, da ich sonst nicht nach Südafrika einreisen könne. Da ich dieses zum Abflugzeitpunkt allerdings noch gar nicht besaß, wollte man mich partout nicht fliegen lassen, obwohl ich sagte, dass ich dies in Kapstadt bei der Einreise mit dem hinterlegen einer Schutzgebühr regeln würde. Dies klappt nämlich in vielen Ländern. Lösen konnte ich das Problem schlussendlich indem ich ein überteuertes Ticket am Flughafenschalter kaufte, welches ich dann schlussendlich verstreichen lassen musste. Dumm gelaufen.Ankunft in KapstadtEntsprechend gestresst verging dann mein Flug und angekommen im sonnigen Kapstadt fragte mich natürlich keiner mehr nach irgendeinem Rückflugticket.Diese unnötige Aufregung war dann aber auch die letzte größere dieser Art. Die 25 minütige Taxifahrt vom Flughafen zum Hostel, in welchem ich arbeiten und gleichzeitig auch wohnen sollte, war wie der Übergang in eine andere Welt.Vorbei an den Wellblechhütten der, mir spätestens seit den Fernsehberichten vor der Fußball WM 2010 bekannten, Kapstädter Townships, aber auch an den Nobelvillen der südafrikanischen und internationalen High Society ging es in den Stadtteil „Gardens“, welcher sich im Zentrum Kapstadts befindet.Angekommen im Hostel wurde ich sofort sehr freundlich begrüßt und nach einer kurzen Führung durchs Gebäude wurde ich zu meinem Zimmer gebracht, welches ich mir mit den anderen Praktikanten teilte. Diese waren am Vortag in Kapstadt feiern gewesen und dementsprechend noch im Tiefschlaf, allerdings lernte ich alle im Verlauf des Vormittags noch kennen.Da meine Ankunft auf einen Freitag fiel wurde ich von meinen Kollegen sofort in das südafrikanische Nachtleben eingeführt.Am darauffolgen Montag begann dann schließlich das eigentliche Praktikum.Das Unternehmen„Ashanti Lodge“ besteht aus zwei verschiedenen Hostels und zwei Gasthäusern, welche sich alle in Kapstadt befinden. Außerdem eröffnete im August 2016 ein Online-Reisebüro, welches Touren in ganz Afrika vertreibt.Ich arbeitete hauptsächlich in „Ashanti Lodge Gardens“, dem Haupthaus des Unternehmens. Dieses war eines der ersten Hostels in Südafrika und feierte im Jahr 2016 sein 20-jähriges Bestehen.Meine AufgabenWährend meines Praktikums arbeitete ich in den verschiedensten Bereichen. In der Buchführung assistierte ich Montag-, Mittwoch- und Freitagvormittag. Hier waren die Aufgaben eher monoton und bestanden vor allem im Buchen von Zahlungen und dem Überprüfen von Abrechnungen.Spannender gestaltete sich schon die Arbeit im Marketingbereich. Hier war ich für die verschiedenen Social Media Präsenzen des Unternehmens verantwortlich. Außerdem schrieb ich Blogs, welche auf der Unternehmenswebsite veröffentlicht wurden. Für diese musste ich manchmal auch Touren ausprobieren, welche vom Unternehmen angeboten wurden. Diese waren natürlich ein Highlight meines Praktikums.Weiterhin organisierte ich noch verschiedene Events und Partys in der Hostelbar. Dies gehörte zwar nicht zu meinen eigentlichen Aufgaben, allerdings wollte ich auch in diesem Bereich Erfahrungen sammeln, weshalb ich diese Aufgabe freiwillig übernahm.Arbeitsklima & BelegschaftDas Arbeitsklima im Unternehmen war sehr locker. Die Mitarbeiter von „Ashanti Lodge“ bildeten eine kleine Familie, in die jeder sofort integriert wurde. Bei Problemen half man sich gegenseitig.Zum Beispiel musste während meiner Zeit eine Kollegin die Hochzeit ihrer Schwester organisieren. Da sie etwas knapp dran war, halfen wir ihr wo wir konnten und verschoben unsere eigentlichen Aufgaben schon mal auf die nächste Woche.Auch mit der Pünktlichkeit nahm man es in Südafrika nicht sehr genau. Alles in allem war das Arbeiten wesentlich entspannter als in Deutschland. Wenn jemand nach einer durchzechten Nacht zu spät auf Arbeit kam, dann war das meist kein Problem, solange man dann trotzdem sein Tagespensum erreichte.Dadurch, dass viele Praktikanten beschäftigt wurden, habe ich mit Menschen aus den verschiedensten Ländern zusammengearbeitet. So hatte ich allein während der Dauer meines Praktikums Mitarbeiter aus Frankreich, Deutschland, England, Neuseeland, Malawi, La Réunion, Polen, Norwegen, dem Kongo und natürlich aus Südafrika.Erlernte FähigkeitenWährend des Praktikums konnte ich meine Englischkenntnisse, vor allem im schriftlichen Bereich, weiter verbessern.Außerdem erlernte ich Problemlösungsfähigkeiten, da ich auf verschiedene ungewöhnliche Situationen mit einem hohen Maß an Flexibilität reagieren musste.SicherheitBekanntlich herrschte in Südafrika bis 1994 das totalitäre Arpartheitregime. Die Gesellschaft befindet sich seitdem im Wandel. Es ist noch nicht vollständig gelungen die Gräben zwischen schwarz und weiß oder zwischen arm und reich zu überwinden. Dies mündet oft in gesellschaftlichen Spannungen und teilweise auch in Kriminalität.Ich selbst habe von Gewalt oder Raubüberfällen nichts mitbekommen und Kapstadt gilt auch als sicher im Vergleich zu anderen Großstädten im Land, allerdings konnte ich ab und an von Gästen oder Mitarbeitern vernehmen, dass versucht wurde ihnen etwas zu klauen oder in Autos eingebrochen wurde. Meiner Meinung nach kann dies aber genauso gut in Deutschland passieren, also machte ich mich hier nicht unnötig verrückt. Natürlich sollte man aber auch nicht leichtsinnig sein und etwa bei Nacht durch ein Township laufen.Land, Leute und KulturEtwas über die südafrikanische Kultur zu sagen ist sehr schwierig, da diese je nach ethnischer Zugehörigkeit stark variiert. Südafrika hat beispielsweise neben Englisch und Afrikaans noch neun weitere offizielle Landessprachen, welche alle verschiedenen, im Land lebenden, Volksstämmen entspringen. Diese haben sehr unterschiedliche Lebensweisen. Einige stehen dem westlichen Einfluss im Land offen gegenüber, andere verwehren sich hingegen fast komplett dem technischen Fortschritt und leben sehr ursprünglich (bspw. ohne Strom und fließendes Wasser).
Da ich nach meinem Praktikum auch noch für vier Wochen das Land bereist habe, war es mir möglich einen guten Überblick über die verschiedenen Kulturen und Landschaften Südafrikas zu erhalten.
FazitIch habe mein Praktikum in Südafrika geliebt und beinahe jede Minute dort in vollen Zügen genossen. Da ich schon immer viel gereist bin, hatte ich bereits vor meinem Aufenthalt in Südafrika eine solide Reiseerfahrung. Diese war in bestimmten Situationen sicher auch von Vorteil, da sich viele Dinge wesentlich vom Leben in Deutschland unterschieden. So konnte ich den viel zitierten Kulturschock vermeiden.Besonders beeindruckt haben mich neben der einzigartigen Landschaft und den exotischen Tieren vor allem die Menschen im Land, da sie, entgegen der in unseren Breitengraden vorherrschenden Mentalität, viel herzlicher und weniger distanziert sind. Ich habe die Zeit in Kapstadt so sehr genossen, dass ich sogar plane nach dem Studium zum Arbeiten dorthin zurückzukehren.Für mein Studium konnte ich Kenntnisse erwerben, welche vor allem den Marketingbereich betreffen. Allerdings bin ich der Meinung, dass man fachspezifische Kenntnisse noch besser bei großen Unternehmen erlernen kann, da bei einem Praktikum in einem kleinen Betrieb wie „Ashanti“ die Anweisungen manchmal mangelhaft sind und man eher auf sich selbst gestellt arbeitet. So wurde mir bereits am ersten Tag von meiner Chefin gesagt: „Willy, du hast studiert. Ich nicht. Vielleicht kann ich ja noch was von dir lernen.“. Natürlich konnte sie mir aber trotzdem noch viel beibringen. 20 Jahre lang ein erfolgreiches Unternehmen zu leiten kommt schließlich auch nicht von ungefähr.Allerdings waren die weniger strengen Anweisungen, wie bereits angesprochen, auch vorteilhaft, da ich meine Problemlösungsfähigkeiten so verbessern konnte.Jedem, der in Erwägung zieht ein Auslandspraktikum in Südafrika zu absolvieren, kann ich nur empfehlen es einfach zu versuchen. Es ist eine Erfahrung, die euch auf jeden Fall bereichern wird.Für Fragen stehe ich jedem gern zur Verfügung.