Mein Auslandspraktikum in Mexiko
Ich durfte mich zu einen der Glücklichen zählen, die durch das PROMOS-Programm der DAAD im Auslandsaufenthalt unterstützt wurden. Ich studierte Ökologie und Umweltschutz und war fest davon überzeugt mein Praxissemester in einem Betrieb innerhalb Deutschlands zu absolvieren. Die Überzeugungskünste zweier Freundinnen und Kommilitonen haben mich dann dazu ermutigt mit ihnen das fünfte Semester im Ausland zu verbringen. Warum ich mich für ein Auslandspraktikum entschieden habe, war vor Allem die Erfahrung die man nach so einem Jahr fern der Heimat und fern der deutschen Sprache gewinnen kann. Dazu spielte der Gedanke, dass das vielleicht die letzte Möglichkeit für mich wäre eine längere Zeit im Ausland zu sein. Die Wahl ist zügig auf Hermosillo (Mexiko) gefallen, da Professor Delakowitz gute Kontakte zu der „Universidad de Sonora“ (UNISON) pflegt. Während meiner Schulzeit habe ich drei Jahre einen Spanischkurs besucht, doch das ist schon Jahre her gewesen. So habe ich nochmals am Anfängerkurs der Hochschule teilgenommen. Verhandlungssicher war ich mit der Sprache jedoch auch dann nicht. Nach einem Jahr Vorbereitungszeit, in der ich alle nötigen Papiere zusammen getragen, mir Geld für die Reise verdient und vor Allem meine Eltern von der Idee eines Auslandspraktikum im „gefährlichen“ Ländchen Mexiko nahegebracht habe, sind ich und meine zwei Freundinnen am ersten März in Berlin zusammengekommen um endlich unsere Reise anzutreten.
Nach einem langen, anstrengenden Flug wurden wir in Hermosillo mit Küsschen links rechts von einem Dozenten der Universität empfangen. Er hat uns ein Appartement auf seinen Namen gemietet und uns bei unserem Start unterstützt. In den kommenden Tagen haben wir unseren Betreuer für das Praktikum an der UNISON kennengelernt. Ganz zufrieden waren wir mit unserer, in Deutschland ausgearbeiteten, Themenwahl zum Praktikum nicht, so hat jeder von uns sich um ein neues Thema gekümmert. Eine mexikanische Studentin des Masters „Nachhaltigkeit“ hat sich in ihrer Masterarbeit mit „Zero Waste“ befasst und entsprechend dazu eine Recyclinganlage für die Universität entworfen. Daran angeknüpft habe ich eine Abfallanalyse durchgeführt, die aus Probenahmen von Abfallbehältern der Universität bestand. Hierfür wurde mir ein Angestellter, er war so eine Art Hausmeister oder Gärtner, zur Verfügung gestellt, der die Proben einsammelte und mir beim Sortieren in verschiedene Kategorien wie Papier, organischer Abfall, PET, PVC, PS…., bzw. beim Abwiegen geholfen hat. Eine Schwierigkeit war, dass er kein Englisch spricht, doch mit meinen spanischen Grundkenntnissen konnten wir das nötigste abklären. Neben dem praktischen Teil meines Projektes, habe ich noch einiges über das Abfallmanagement allgemein in Mexiko recherchiert und mit dem deutschen System verglichen.
Natürlich gehört nicht nur die Arbeit zu einem Auslandsaufenthalt. Das Kennenlernen des Landes, der Kultur, der Menschen und die Natur gehören auch dazu. Dadurch dass wir an der Universität waren und auch einige auf Englisch gehaltenen Kurse besucht haben, fiel uns das Knüpfen von Kontakten leicht. Jeder wollte sich mit den Deutschen unterhalten und ihnen ihre Stadt zeigen. Außerdem sind Mexikaner sehr gastfreundlich. Ein Beispiel hierfür ist eine Studentin die eines Tages auf uns zugekommen ist und sich erstmal für ihre schlechten Englischkenntnisse entschuldigt hat. Sie meinte, dass sie ihrer Mutter von uns erzählt hatte und wir von dieser zum Familienessen in ihr Haus eingeladen sind. Dabei spricht ihre Mutter kein Englisch und wir haben uns auf gebrochenem Spanisch unterhalten. Auch wurde viel von der Studentin übersetzt. Wir waren überwältigt von der Gastfreundschaft. Es ist unglaublich wie viele verschiedene Leute ich dort kennengelernt habe, die einfach nur herzlich sind. Ich habe mich nie unwillkommen gefühlt. Wir wurden ständig zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen und mit an den Strand genommen, der anderthalb bis zwei Stunden Autofahrt von Hermosillo gelegen ist. Dass wir Hermosillo aus dem Blick der Einheimischen kennenlernen durften, wissen wir sehr zu schätzen. Wir wollten dies für unsere Reise durchs Land beibehalten. Im Laufe des Auslandsaufenthaltes haben wir verschiedene Wochenendtrips und eine zehntägige Reise unternommen. Zum Ende des Praktikums sind wir fast den ganzen August durch Mexiko gereist. Wir haben so oft wie es uns möglich war Couchsurfing-Schlafplätze angefragt, wo wir einerseits Geld gespart haben und andererseits eine Ansprechperson hatten die uns den Ort gezeigt hat.
Ich will dem PROMOS-Programm für die Unterstützung Danken. Es war ein atemberaubendes halbes Jahr in dem ich so viele neue Sachen gelernt habe und sehen durfte. Ich würde jedem empfehlen nach Mexiko zu gehen und die Kultur zu erleben. Außerdem darf man sich auf das mexikanische Essen freuen! Eine der ersten Fragen die die Mexikaner gestellt haben war immer „Wie gefällt euch das Essen?“. Sie sind sehr stolz auf ihre Speisen und jetzt wo ich das Essen kennen und lieben gelernt habe, kann ich verstehen warum das so ist! Unser ökologischer Fußabdruck ist durch die Reise sehr stark gewachsen, doch mit ihm unsere Erfahrungen. Das war auf jeden Fall nicht das letzte Mal an dem ich in Mexiko gewesen bin. Das Land ist riesig, die Regionen unterscheiden sich erheblich und ich habe noch nicht alles gesehen.
Mexiko wir sehen uns wieder!
Ein Beitrag von Liane Kronhardt