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25. Februar 2021

Kein Stillstand - trotz Stillstand!

Deutschlandstipendiat*innen berichten, wie sie in Pandemiezeiten ihr Engagement anpassen mussten. Das Stipendium hilft dabei.

Die Atmosphäre ist feierlich und höchst zeremoniell. Der Rektor steht am Rednerpult und gibt im Rahmen der Feierlichen Immatrikulation vor Hunderten Zuschauern die neuen Trägerinnen und Träger des Deutschlandstipendiums an der Hochschule Zittau/Görlitz bekannt. Er würdigt ihr Engagement und weist ihnen ihre Förderinnen und Förderer zu, die sie im Anschluss an die Veranstaltung persönlich kennenlernen werden.

So sah es in der Vergangenheit aus. Denn wie so manche Veranstaltung musste auch die Feierliche Übergabe der Urkunden an die aktuellen Deutschlandstipendiatinnen und –stipendiaten pandemiebedingt bislang ausgesetzt werden.

Im Rahmen der Virtuellen Feierlichen Immatrikulation im vergangenen Oktober erfuhren die 15 Deutschlandstipendiat*innen an der HSZG am heimischen Rechner von ihren Mittelgebenden und mussten auf ein formelles Get Together mit ihren Fördernden verzichten. Und auch ihrem überdurchschnittlichen gesellschaftlichen Engagement drohten herbe Rückschläge im Hinblick auf die mit dem Lockdown verbundenen Maßnahmen. 

Aber oftmals auch nur scheinbar! Denn für die Stipendiat*innen der HSZG stellten die Einschränkungen keinen Grund dar, ihre oftmals ehrenamtlichen Tätigkeiten in Vereinen oder ihr hochschulinternes Engagement einzustellen. Sie passten es einfach den Gegebenheiten an.

Auf den Ernstfall bestens vorbereitet

So wie Jamel Rejeb Bibani. Er studiert im siebten Semester Automatisierung und Mechatronik im KIA Diplom-Studiengang und wird von der ATN Hölzel GmbH gefördert. „Das Deutschlandstipendium unterstützt mich finanziell beim ständigen Pendeln zwischen meinem Arbeitgeber in Magdeburg und meiner Hochschule in Zittau“, berichtet der 22-Jährige von den Vorteilen des Stipendiums.

Seit seinem zehnten Lebensjahr ist Jamel Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatdorf in der Nähe von Zerbst in Sachsen-Anhalt. Im letzten Jahr übernahm er dort die ehrenamtliche Tätigkeit als Kinderwart und unterstützt dadurch die Jugendarbeit in der Einrichtung. Wie aber die Ausbildung in der Freiwilligen Feuerwehr vorantreiben, wenn aktuell kein persönlicher Kontakt möglich ist?

„Früher habe ich die 10- bis 16-jährigen Jugendlichen immer praktisch vor Ort angeleitet, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Nun weise ich sie eben online in die verschiedensten Arbeiten ein.“ Von der Vermittlung von Richtlinien und Verhaltensweisen im Ernstfall bis hin zum Umgang mit der Schutzausrüstung. Der Student nimmt seine Schützlinge nun digital an die Hand. „Wie rollt man einen Schlauch richtig aus und welche Aufgabe übernimmt wer im Einsatzfall? Das sind alles wichtige Regeln, die man vermitteln muss“, weiß Jamel. „Und schließlich müssen sie auch ein Atemschutzgerät von einem Feuerwehrhelm unterscheiden können.“ Der Unterricht gehe sehr gut, ersetze aber bei Weitem nicht den persönlichen Kontakt. „Aber alles besser, als wenn er ganz wegfiele.“

Planung ist alles

Das bisherige Engagement einfach wegfallen lassen, kam auch für Victoria Otto nicht in Frage. Sie studiert Management im Gesundheitswesen und wird vom Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, dem Abgeordneten Stephan Meyer und dem Oberbürgermeister von Görlitz Octavian Ursu gefördert.

Für die aktive Springreiterin fiel zwar die Teilnahme an Turnieren weg, dafür konzentrierte sie sich in der jüngeren Vergangenheit mehr auf ihre Tätigkeit als Vorstandsmitglied des Reit- und Fahrvereins Rosenhof Görlitz e.V. „Wir sind und bleiben optimistisch und planen aktuell diverse Lehrgänge und unsere Görlitzer Summer Weeks, die dieses Jahr im September stattfinden sollen“, erzählt die 22-Jährige. Darüber hinaus möchte sie sich auch zur Wiederwahl für den Fachschaftsrat der Fakultät Management- und Kulturwissenschaften stellen. „Das Deutschlandstipendium gibt mir hierfür die nötige Sicherheit, vor allem auch in der Zeit, wenn das Praktikum ansteht“, sagt sie.

Mentoring goes digital

Das Thema Praktikumsfinanzierung steht auch bei Alexander Brugger hoch im Kurs. Der 24-Jährige wird von der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien gefördert. An der HSZG studiert er Informatik in Görlitz im fünften Semester. „Durch das Deutschlandstipendium konnte ich mir einen Praktikumsplatz aussuchen, der vom Themenfeld her super passt und im Vergleich zu anderen Stellen aber nicht bezahlt wird“, sagt der gebürtige Österreicher.

Mit welchem Engagement konnte er eigentlich beim Stipendienvergabeausschuss punkten? „Als Matrikelsprecher hatte ich es mir zur Aufgabe gemacht, die Kommunikation zwischen Informatikerinnen und Informatikern untereinander zu verbessern. Hierfür habe ich gemeinsam mit dem Fachschaftsrat Informatik das ‘Mentoring‘ für Informatiker*innen eingeführt. Wir sind aktuell rund zehn Mentoren, die rund 30 Erstsemester*innen ‘an die Hand nehmen‘ und immer für Fragen parat sind“, so Alexander Brugger.

„Unser Ziel ist es, Informatiker*innen im eigenen Matrikel sowie matrikelübergreifend zu vernetzen und zu motivieren, Lerngruppen zu bilden und gute Studienerfolge durch diese Methode zu erzielen. Jetzt - in den für Studienanfänger*innen schwierigen Zeiten - versuchen wir das eben, online umzusetzen.“

Weil Kommunikation kein Fremdwort ist

Für Ekaterina Poltorak ist Kommunikation auch kein Fremdwort. Sie studiert im Masterstudiengang Integriertes Management aktuell noch im dritten Semester und wird von der GWT-TU Dresden gefördert. Die 24-jährige gebürtige Russin arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft im International Office der HSZG. Sie betreut russische Studierende, die im Rahmen von Austauschprogrammen an der Hochschule studieren. „Ich helfe im Büro bei der Vorbereitung von Dokumenten, die sie zum Beispiel für das Einwohnermeldeamt, Banken und Krankenkassen benötigen, mache Termine und begleite sie auch gern zu den Behörden. Oft sind meine Dolmetscherkenntnisse gefragt.“

Ekaterina freut sich besonders, dass für sie trotz Corona-Krise der persönliche Kontakt mit den Studierenden nicht ganz wegfällt. „Wir wohnen im Wohnheim zusammen als WG. Falls es Fragen gibt, können mich die Studierenden problemlos erreichen und die Behördengänge erledigen wir eben auch gemeinsam“, erzählt sie von ihrer Nebentätigkeit.

Auf persönlichen Kontakt muss sie aktuell leider bei ihrem freiwilligen Engagement als Gitarrenlehrerin verzichten. Aber statt Absagen zu erteilen, führt sie den Unterricht für Interessierte derzeit einfach online durch.

„Das Deutschlandstipendium hat mir mehr Zeit für mich und mein Studium geschenkt und mich davor bewahrt, dass ich neben meiner Tätigkeit im International Office der HSZG und als Gitarrenlehrerin noch zusätzlich in einer Pizzeria jobben muss, um mein Leben zu finanzieren“, resümiert sie und schmunzelt dabei.

Deutschlandstipendium – Was ist das eigentlich?

Das Deutschlandstipendium steht für eine von Bund, Hochschulen und privaten Fördernden getragene Stipendienkultur.

Es fördert begabte und engagierte Studierende an unserer Hochschule ein Jahr lang mit 300 Euro im Monat. 150 Euro davon übernehmen private Fördernde wie Unternehmen, Stiftungen, Alumni und andere Privatpersonen. Die anderen 150 Euro übernimmt der Bund. Neben guten Noten bzw. Studienleistungen zählen bei der Vergabe des Deutschlandstipendiums auch gesellschaftliches Engagement und besondere persönliche Leistungen – etwa die erfolgreiche Überwindung von Hürden in der eigenen Bildungsbiografie.

Bewerben kann sich jeder, der an der Hochschule Zittau/Görlitz immatrikuliert ist oder sich um einen Studienplatz bewirbt. Nähere Informationen findet ihr hier

Folgende Stipendiatinnen und Stipendiaten dürfen sich 2020/2021 über ein Deutschlandstipendium freuen:

Victoria Otto (gefördert von Ministerpräsident Michael Kretschmer, dem Abgeordneten Stephan Meyer und Oberbürgermeister von Görlitz Octavian Ursu), Lieselotte Walther (Förderverein HSZG e.V.), Ekaterina Poltorak (GWT-TU Dresden), Nadine Friedl (IMMOFANT GmbH), Leon Tischer (ISS IMMOFANT Service Solution), Valentin Krug (EC Europ Coating GmbH), Nadja Elisa Hörig (ENEX Finanzpartner und Beteiligungsgesellschaft mbH), Alexander Brugger (Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien), Jamel Rejeb Bibani (ATN Hölzel GmbH), Tim Sadowski (TRUMPF Sachsen GmbH), Albrecht Schilling (AUKOM e.V.), Melina Guilbert (LEAG Lausitz Energie Kraftwerke AG), Nicole Maziarka (Wilhelm Weidemann Jugendstiftung), Anna Achtelstädter (Wilhelm Weidemann Jugendstiftung) und Alexandra Elisabeth Pohler (EUROIMMUN AG).

Foto: M.A. Cornelia Rothe
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