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08. November 2015

Im selben Boot?

Gastbeitrag vom "Im selben Boot"-Team: Alljährlich werden Heilpädagogik-Studenten damit beauftragt ein Projekt auf die Beine zu stellen, welches mit einer inklusionsfördernden Intention umgesetzt werden soll.Da sich diese Versuche der Kommunikation oftmals in der Umgebung unserer Hochschule in Görlitz abspielen entstand für uns die Vermutung, dass unsere Zielgruppen ( Einrichtungen, Vereine…) allmählich ein steigendes Desinteresse für diese Thematik entwickeln. Den Studenten jährlich qualitativ hochwertige Antworten auf ihre komplexen Fragestellungen zu geben wirkt vielleicht auf Dauer ermüdend, so unser Gedanke. Unterstützt wird diese schwierige Situation durch die Tatsache, dass Inklusion in sämtlichen Gesellschaftsbereichen ein kontrovers und heiß diskutiertes Thema war, ist und auch noch bleiben wird. Aus diesem Grund entwickelten wir die Idee, unsere Arbeit einen Schritt früher zu beginnen, nämlich bei einer offenen Diskussion, bei der wir eher zuhören wollten anstatt Ansätze für Inklusionsmaßnahmen vorzuschlagen und deren Umsetzung in die Wege zu leiten. Ein großer gesellschaftlicher Raum, der in den kommenden Jahren stark vom Inklusionsgedanken geprägt sein wird, ist die Bildung in Deutschland. Wir wollten zu einer Gesprächsrunde einladen und dabei nicht Wortführer sein, sondern vielmehr diejenigen, die die Problematik nur anstoßen um darauf hin zuhören, welche Bedenken die haben, deren Arbeitsalltag durch Inklusion extrem verändert werden würde. Wir wollten ein Zeichen dafür setzen, dass wir alle “im selben Boot” sitzen, so auch der Name unseres Projektes.[caption id="attachment_118" align="aligncenter" width="800"] Projektteam "Im selben Boot?"[/caption]So beschlossen wir, zunächst an der eigenen Hochschule zu beginnen, denn auch Kindheitspädagogen und Sozialarbeiter werden (höchstwahrscheinlich) in Zukunft mit der Inklusionthematik konfrontiert sein und sich Arbeitsfelder mit uns Heilpädagogen teilen.Mit der Fragestellung “Wie erleben Studierende der Studiengänge Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik an der Hochschule Zittau/Görlitz die gesellschaftliche Debatte zur Inklusion in Bezug auf ihr  künftiges  Berufsfeld  und  eigene  Erfahrungen  während  des  Studiums?” umwarben wir persönlich, mit Aushängen, Flyern und E-Mails für unser Projekt und waren sehr glücklich, dass das neue Rezept anscheinend aufging und die Idee hier vor Ort auf Interesse stieß.Im selben BootDoch leider erschien niemand der angemeldeten Teilnehmer zu dem Treffen. Dort saßen wir nun zwischen Kaffee und Kuchen und berieten, was wohl der Grund für das fehlende Interesse an diesem Treffen sein könnte: Lag es an der Methode? Wollen die Leute lieber vorgefertigte Meinungen und Ansätze in Form eines Seminars, Workshops oder Vortrags inklusive eines Zertifikats mit nach Hause nehmen, damit es sich lohnt, Zeit dafür aufzubringen? War der Zeitpunkt für die Studenten schlecht, weil zwei Wochen darauf die Prüfungen losgingen? Wir kamen zu dem Schluss, dass wildes Spekulieren zwecklos ist, da wir allein, ohne Rückmeldungen der Angesprochenen nie sicher wissen könnten, was die ausschlaggebenden Gründe für die Nicht-Teilnahme an dem Treffen oder das fehlende Interesse dafür waren. Worin wir uns aber einig sind, ist, dass dieser Verlauf symptomatisch für die derzeitige Situation der Inklusionsproblematik in der Gesellschaft ist. Seit 2009 ist die Behindertenrechtskonvention unterschrieben und somit eigentlich geltendes Recht in Deutschland. Doch viele wissen nicht einmal davon und die, die es wissen, sind meist überfordert mit der Umsetzung. Viele Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter, Betreuer etc. beschweren sich über inklusive Maßnahmen, weil sie vor vollendete Tatsachen gestellt werden und sich womöglich nicht genügend darauf vorbereiten und mit den Hintergründen beschäftigen konnten. Unserer Meinung nach fehlt dieser Schritt in dem Prozess der Inklusion und wir wollten mit unserem Projekt versuchen, einen Anstoß dafür zu geben.Wir hoffen auf diesem Weg noch mehr Menschen zu erreichen und für ein erneutes Treffen im Wintersemester zu werben. Bei Fragen könnt ihr gern eine Mail an imselbenboot@hszg.de schreiben.