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28. Februar 2023

Zwischen Längenmessungen und Endlagern

Im Januar besuchte das Strahlentechnikmatrikel die Physikalisch Technische Bundesanstalt und die Schachtanlage Asse II.

Das Strahlentechnikmatrikel des Studiengangs Energie- und Umwelttechnik auf Exkursion! Am 19. Januar haben wir uns alle um 6:45 Uhr an der Bibliothek in Zittau getroffen, um gemeinsam mit dem HSZG-Exkursionsbus nach Braunschweig zu starten. Wir trafen nach der Fahrt mit kurzen Zwischenpausen gegen 11:00 Uhr an unserer ersten Exkursionsstation: der Physikalisch Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig ein. Dort stand zunächst ein Besuch der Betriebskantine zum Mittagessen an. Es folgte ein Einführungsvortrag über die Geschichte der PTB, welche als Physikalisch Technische Reichsanstalt in Berlin gegründet wurde, und ihrer Aufgaben. Dabei wurde auch auf die Überführung der SI-Standards auf Naturkonstanten eingegangen.

Da wir vor dem Zeitplan lagen, erhielten wir einen spontanen Einblick in die Längenmesstechnik. Dort wo normalerweise Quader mittels Interferometern hochpräzise ausgemessen werden, wird nun als Teil eines Forschungsvorhabens versucht, nahezu perfekte Kugeln auszumessen und ihre Unsicherheiten zu bestimmen. Ziel dieser Bestimmung ist die Verwendung der Kugeln in einer 3D-Koordinatenmessmaschine als Referenznormal. Erstaunlich war für uns, mit welcher Präzision bei der PTB Längenmessungen erfolgen können.

Es folgten Führungen durch drei Speziallabore. Im Schering Bau und der darin vorhandenen Hochspannungsmesstechnik, weiter zum Geiger Bau, in dem über die radioaktive Aktivitätseinheit sowie Nuklidstandards und die Möglichkeiten der Strahlungsmesstechnik informiert wurden. Besonderes Augenmerk richteten wir auf die Flüssigszintillationsmessung von Beta-Strahlern und die Gesamtenergiemessung eines Betazerfalls, um das Energiespektrum genauer zu bestimmen. Leider konnten wir keinen Einblick in die Labore zur Herstellung und Überprüfung der Nuklidstandards erhalten, wobei dies als Entstehungs- bzw. Bezugsort aller Standards und Quellen hochinteressant gewesen wäre. Abschließend wurde uns die Funktionsweise der unterschiedlichen Atomuhren an der PTB erklärt und auch im Labor gezeigt,  die unsere Uhrzeit definieren und über Frankfurt das Uhrzeitsignal in die Welt versenden.

Nach dem Besuch der PTB ging es in die Deutsche Jugendherberge Braunschweig. Dort bezog jeder sein Zimmer bis sich alle gegen 18:00 Uhr wieder in der Gruppe trafen, um ein wenig Braunschweig zu erkunden. Einem gemütlichen Abendessen in einer urigen Gaststätte mit den verschiedensten Speisen und Gesprächsthemen folgend, ging es zurück in die Jugendherberge, wo der Abend ausklang.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen fuhren wir zur Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) nach Remlingen zur Infostelle der Schachtanlage Asse II. Dort erfuhr die Gruppe viel Wissenswertes zur Geschichte der Schachtanlage als Salzbergwerk, dessen Verwendung als Endlager, in dem rund 126.000 Fässer radioaktiver Reststoffe eingelagert wurden bis hin zum aktuellen Projekt der Vorbereitung der Rückholung der eingelagerten Stoffe an ein oberirdisches Zwischenlager. Dabei wurde der aktuelle Erkenntnis- und Arbeitsstand erläutert.

Nach einem Briefing über das Verhalten Untertage, der Sicherheitseinweisung zur Verwendung des Selbstretters und einer Stärkung zum Mittag ging es zum Umkleiden, um in das Bergwerk einfahren zu können. Mit einer Geschwindigkeit von 10 m/s ging es im Förderkorb dann auf 490 m Tiefe im Endlager hinab. Dort angekommen startete eine ca. zweistündige Befahrung der Schachtanlage. Zu sehen gab es neben der Bewetterungsanlage und der Fahrzeugwerkstatt auch Kavernen, welche einen kontinuierlichen Wassereintritt aufweisen. Aufgrund des Alters der Anlage ist es an vielen Stellen nötig, dass die Kammern und Wege mit Sorelbeton, einem speziellen Salzbeton, stabilisiert werden. Dies dient der Sicherung der Anlage, bis die 2033 planmäßig beginnende Rückholung begonnen wird. Das Ausfahren aus dem Bergwerk ist nur zur vollen Stunde möglich, sodass die Gruppe kurz nach 16:00 Uhr wieder die Oberfläche erreichte. Weitere aufgetretene Fragen wurden in einer kurzen Nachbesprechung zur Befahrung von dem verantwortlichem Mitarbeiter der BGE beantwortet. 16:45 Uhr ging es dann zurück nach Zittau.

Das Fazit aller Exkursionsteilnehmenden ist positiv. Der Besuch der Schachtanlage Asse II war zweifelsohne das Highlight der Exkursion, es war nicht nur interessant, sondern auch spannend und beeindruckend. Der Besuch bei der PTB war interessant, aber nicht so greifbar und wegen der Grundlagenaufgaben der PTB für uns etwas anwendungsfern.

Foto: Dipl.-Ing. Sören Alt
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