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13. Juni 2019

Exkursion ŠKODA AUTO a.s. Mladá Boleslav

Alle 57 Sekunden ein fahrbereites Auto vom Band? Eine kaum zu realisierende Vorstellung, die man erst glaubt, wenn man die Montage- und Herstellungslinien des Škoda-Werkes in Mladá Boleslav gesehen hat.

Für die Studierenden des Moduls Füge- und Montagetechnik und weiteren interessierten Kommilitonen wurde diese Besichtigung zur Wirklichkeit. Nach zwei hoch informativen Gastvorträgen von Leitungsträgern des Unternehmens, die das Interesse an einer Vororterkundung noch steigerten, konnte mit Hilfe von Frau Prof. Dr.-Ing. Kretschmar die ersehnte Werksbesichtigung durchgeführt werden.

Ohne das akademische Viertel zu beachten, starteten wir mit einem gefüllten Bus in Richtung Mladá Boleslav. Nach einer guten Stunde Fahrt kamen wir am Tor 8 des Werksgeländes an und waren angesichts der Größe des Standortes überwältigt. Mit knapp 20.000 Mitarbeitern ist das Werk Hauptarbeitgeber der Region und bestimmt das komplette Bild der Stadt.

Nach einer kurzen Einführung, mit Schutzbrillen sowie Reflexwesten „bewaffnet“ ging es in das Presswerk M15. Die großen Pressen und schweren Coils waren sehr imposant.

Im Sekundentakt werden hier von dem abgerollten Stahlblech Karosserieteile gestanzt. Mit Hilfe von Wechselwerkzeugen kann eine schnelle Umstellung für die verschiedenen  Autotypen realisiert werden. Derzeit werden in diesem Teil des Standorts Pressteile für die Modelle FABIA, OCTAVIA und RAPID sowie für den neuen SCALA gefertigt. Diese hochautomatisierte Fertigung von Pressteilen war für uns alle ein neues Erlebnis. 10:30 Uhr ging es dann zu dem Karosseriebau M14. Hier wurde es noch interessanter!

In dieser Abteilung werden die gestanzten und gepressten Karosserieteile zu einem Rohbau oder Chassis montiert. Die enorme Zahl der Roboter, meist von der Marke KUKA, und die verschiedenen Arten des Widerstandsschweißens sowie die unglaublich schnelle Taktzeit der durchlaufenden Teile ist eine Bereicherung an Erfahrung, wenn man dabei zusehen darf.

Auch für die Produktionstechniker war die Karosseriebauabteilung eine informative Ergänzung für das Modul Robotertechnik, da man hier eine Vielzahl von verschiedensten Translationen und Handhabungen der Roboter erleben konnte. Nach einem kurzen Transfer innerhalb des Werksgeländes mit dem Bus (10 Minuten!), was die Größe des Standorts nochmals betont, kamen wir zur Führung durch die Montagelinie M1.

Hier durften wir die Bandmontage von den obengenannten Automodellen sehen. Das durchlaufende Montageband, auf dem das zu bauende Fahrzeug und die Mitarbeiter stehen, ist ein fast unwirkliches Erlebnis. Die Taktzeit ist hier ebenso schnell, dass in einer kurzen Redezeit unseres Besichtigungsleiters ein Auto die komplette Montagelinie durchquerte. Eine Besonderheit der Linie in Mladá Boleslav ist, dass innerhalb der Montage unterschiedliche Ausstattungen und Modelle montiert werden. Ein OCTAVIA folgt einem RAPID und danach kommt beispielsweise ein FABIA. Ein weiterer technischer Höhepunkt der Montagelinie M1 war die sogenannte „Hochzeit“, der Verbund von Motor und Karosserie, und wird uns lange im Gedächtnis bleiben.

Nach dem Ausflug in die Montagelinie wurden wir zur Gießerei und Schmiede gebracht. In dieser Abteilung wird eine zweistellige Millionenzahl an Schmiedeteilen und gegossenen Teilen hergestellt. Die schweren hydraulischen Schmiedehämmer und Maschinen werden automatisch betrieben und damit war zu unserem Erstaunen selbst in dieser Abteilung eine Art der Fließfertigung zu erkennen. Diese Art der Fertigung haben wir jedoch in diesem sauberen Werk nicht erwartet. Laut, dreckig und mit einer Raumtemperatur, die an den Sommer am Strand denken lässt, wird für weitere Standorte des Unternehmens produziert. Trotz der genannten Widrigkeiten war diese Abteilung sehr interessant und man konnte abschätzen, welchen harten Arbeitsalltag die dortigen Kollegen haben.

Als letzte Station wurde uns am Nachmittag die Komponentenfertigung vorgestellt. Unzählige Dreh- Fräs- und Schleifautomaten sowie flexible Fertigungssysteme zur vollautomatischen Bearbeitung stellen in dieser Abteilung beispielsweise Motorblöcke, Kurbelwellen oder andere hochpräzise Teile für die Montage her.

Wir konnten einige Arbeitsschritte an den Maschinen verfolgen und waren von der Härterei begeistert. Dort benutzt man unter anderem die Methode des Vakuumhärtens mit Helium, dass die Umwelt weit weniger belastet als das Abschrecken in Öl oder anderen Medien.

Gegen 14:30 Uhr war die ereignisreiche aber auch anstrengende Führung durch das Werk beendet. Mehrere Kilometer Fußmarsch steckten uns in den Knochen. Die Erkenntnis, dass wir nur einen Bruchteil dieses hochkomplexen Standorts betrachten konnten, lassen erahnen, in welchen Dimensionen der zentrale Standort von Škoda funktioniert.

Die Heimfahrt wurde für eine erfrischende und nötige Pause an der Brauerei Pivovar Svijany a.s. unterbrochen. Bei einem guten Mittagessen und einem kalten hauseigenen Pils waren die schmerzenden Füße jedoch recht schnell vergessen. Die anschließende Führung durch die Brauerei, federführend durch Herrn Dipl.-Ing. (FH) Kammler organisiert, zeigte uns einen weiteren wichtigen Wirtschaftszweig Tschechiens. Die Herstellung von verschiedensten Arten von Bieren wird hier ebenso vollautomatisch durchgeführt wie das Bauen von Autos bei Škoda. Im Jahr 2017 wurden bereits 637.500 Hektoliter Bier gebraut und vermarktet. Genug, um weiteren Kommilitonen diese Führung im Gesamtpaket zu empfehlen!

In diesem Sinne möchten wir uns bei Frau Prof. Dr.-Ing. Kretschmar und Herrn Dipl.-Ing. (FH) Kammler für diese schöne und vor allem informative Exkursion bedanken. Wir hoffen, dass noch viele weitere Matrikel die Möglichkeit nutzen, eine Führung in diesem Stil zu bekommen. Der Bezug zur Praxis der Lehrveranstaltungen wird gestärkt und man kann als Student an der Hochschule Zittau/Görlitz von solchen Angeboten nur profitieren!

 

Text: Ferhat Macar und Martin Friedrich, K-MMd 15

Mehr Informationen

Diese Exkursion ist Teil der Zusammenarbeit der Fakultät Maschinenwesen unserer Hochschule und Škoda AUTO a.s. Mladá Boleslav, Bereich Digitalisierung und Industrie 4.0.

Im Wahlpflichtmodul Füge- und Montagetechnik wurden von führenden Škoda-Ingenieuren jeweils Vorlesungen zu den Themen Karosseriebauplanung, Montageplanung und Kompo­nentenfertigung an unserer Hochschule gehalten.

Wir danken dem Unternehmen und allen Beteiligten für die inhaltsreichen Lehrveranstaltungen und die sehr detaillierte Betriebsbesichtigung.

Prof. Dr.-Ing. G. Kretschmar

Berufungsgebiet Produktionstechnik

Foto: Prof. Dr.-Ing. Gerlinde Kretschmar
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