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31. Mai 2016

Exkursion Estland

Bericht über die Exkursions der Studierenden des Studiengangs Internationales Tourismusmanagement (Master - WTm15) nach Estland

Im Rahmen des Moduls „Zukunftswerkstatt“ des Masterstudiengangs „Internationales Tourismusmanagement“ beschäftigen sich Studenten der Hochschule jedes Jahr mit der Konzeptionierung zukünftiger Tourismusentwicklungen einer bestimmten Destination.
Nach Georgien und Montenegro richtete dieses Jahr eine Absolventin und gebürtige Estin das Augenmerk der Matrikelgruppe auf den baltischen Staat Estland. Die ehemalige Tourismus-Studentin der Hochschule Zittau/Görlitz steht mit ihrem, in Tallinn ansässigen Reiseunternehmen noch ganz am Anfang und richtete sich mit der Bitte an die derzeitigen Studierenden, eine Potenzialanalyse der Destination Estland für nachhaltige touristische Angebote durchzuführen.
Bevor sich die Studenten jedoch auf den Weg nach Estland begaben, näherten sie sich dem touristisch eher wenig erschlossenen Land im Zuge mehrerer Workshops auf theoretischer Ebene. Nachdem in verschiedenen Gruppen Recherchen über die estnische Geschichte, Traditionen, Politik, Geografie und den Tourismus durchgeführt wurden, begann im Anschluss die konkrete Reiseplanung.
Nach einer zweimonatigen Vorbereitungszeit startete die WTm15 dann Mitte Mai in eine achttägige Exkursion Richtung Estland. Mit dem Flugzeug ging es von Dresden über Frankfurt in die estnische Hauptstadt. Die Stadt Tallinn, die als eine der attraktivsten Städte Estlands gilt, überraschte vor allem mit einer spannenden Mischung aus Alt und Neu. Das mittelalterlich geprägte Zentrum der Stadt gilt im Baltikum als einmalig und wurde von den Studierenden im Rahmen eines geführten Stadtrundgangs erkundet. Um mehr über den Incoming-Tourismus Estlands zu erfahren, arrangierte die Gruppe im Vorfeld einen Termin mit einer Angestellten der größten Reiseagentur Estlands „Estravel“, welche die zahlreichen Fragen der Studierenden bezüglich der touristischen Struktur des Landes geduldig beantwortete.

Steilküste Panga

 Nach eineinhalb Tagen Aufenthalt in der Hauptstadt verließ die Reisegruppe Tallinn mit dem Reisebus in Richtung der Insel Saaremaa. Nach einem kurzen Zwischenstopp in dem ehemaligen Kurort und Bischofssitz Haapsalu, mit seiner eindrucksvollen Bischofsburg und zahlreichen traditionellen estnischen Holzhäusern, setzte die Fähre auf die Insel über. Der im Süden gelegene Ort Kuressaare ist bekannt als das touristische Zentrum der Insel und bildete eine weitere Station entlang der Reiseroute. Die größte Stadt Saaremaas mit ca. 14.000 Einwohnern blickt auf eine lange Tradition als Kurort zurück. Wenig überraschend ist deshalb die hohe Anzahl der dort angesiedelten Wellnesshotels, wovon einige im Rahmen der Exkursion besichtigt wurden.

Am vierten Tag der Exkursion galt es weitere Facetten der größten Insel Estlands zu entdecken. Hierzu zählt zum Beispiel das seltenste Naturdenkmal Estlands, der Meteoritenkrater von Kaali. Hier schlug vor ca. 7500 Jahren ein Meteorit ein und hinterließ einen Krater mit einem Durchmesser von 110 Metern. Die Reiseführung erklärte der Studentengruppe, dass durch Umlaufen des Kraters Wünsche in Erfüllung gehen. Daraufhin machten sich einige Studenten auf den Weg und umrundeten den See. Außerdem besichtigte die Gruppe die höchste Steilküste der Insel und den Mühlenberg von Angla. Dieser beherbergt fünf für die Geschichte der Insel typische Holzwindmühlen und gilt als Wahrzeichen Saaremaas. Im Anschluss reiste die Gruppe weiter nach Pärnu, in die sogenannte „Sommerhauptstadt Estlands“. Mit seinen langen Sandstränden, vielen Cafés und Restaurants ist die Hafenstadt das wichtigste Ferienziel des Landes während der warmen Monate.Windmühle in Angla

 Der fünfte Exkursionstag führte die Reisegruppe auf die am westlichen Rand der Bucht von Pärnu gelegene Insel Kihnu. Sie ist zwar nur die siebtgrößte Insel des Landes, jedoch die einzige, die den Titel UNESCO Weltkulturerbe trägt. Die ca. 600 Bewohner der Insel leben größtenteils bis heute nach den jahrhundertealten Inseltraditionen mit speziellen Trachten. Mit dem Fahrrad erkundeten die Studenten die hauptsächlich vom Fischfang und der Landwirtschaft geprägten vier Inseldörfer. Besonders lohnenswert war der Besuch im Inselmuseum, welches auf moderne Weise die einzigartige Kultur Kihnus inszeniert. Zur späten Mittagszeit wurde Rast auf einem kleinen, für die Insel typischen Anwesen gemacht. Eine freundliche estnische Gasgeberin servierte den Studenten ein landestypisches Fischgericht.


Da Estland sowohl von Einheimischen als auch Touristen besonders für seine unberührte Natur geschätzt wird, verbrachte die Reisegruppe den sechsten Reisetag im Soomaa Nationalpark. Das Gebiet umfasst vier Großmoore und gilt als die feuchteste Region Estlands.
Per Kanu ging es durch die vielfältige Natur, die über 500 Pflanzenarten sowie 46 Säugetierarten, wie zum Beispiel Elche, Bären und Wölfe, beheimatet. Im Anschluss führte ein Bretterpfad durch die menschenleere Moorlandschaft. Mit seinem Zauber aus unberührter und unendlicher Natur hat der Soomaa Nationalpark die Gruppe nachhaltig beeindruckt und gilt als einer der Höhepunkte der gesamten Exkursion. Von der sehr engagierten Reiseleitung wurde ein Bad in einem der vom Moor umschlungenen kleinen Seen empfohlen. Der Sage nach ist ein Bad in diesen eine Verjüngungskur. Trotz der Kälte des Wassers sprangen einige hinein und erquickten sich an der Erfrischung des kalten Wassers.
Gegen Nachmittag wurde die Reise Richtung Tartu, der zweitgrößten Stadt Estlands, fortgesetzt. Gelegen im Südosten des Landes wird sie aufgrund ihrer Universität, die älteste Nordeuropas, als das geistige Zentrum Estlands bezeichnet. Zu den beliebtesten Fotomotiven der Stadt gehört der Brunnen auf dem Rathausplatz mit einer Skulptur der „Küssenden Studenten“, welche als modernes Wahrzeichen Tartus bezeichnet wird.
Kanufahrt

Wanderung im Moor

Der siebte Tag führte die Gruppe abermals in einen estnischen Nationalpark. Der ganz im Norden zu findende Lahemaa-Nationalpark erstreckt sich entlang der Küste und ist der Größte im Land. Der Ausflug begann für die Gruppe mit einer Besichtigung des Gutshofs Vihula, in welchem sich heute ein erstklassiges Restaurant und ein luxuriöses Spa-Hotel befinden. Im Anschluss ging es mit dem Bus weiter zum bekanntesten Landgut Estlands „Palmse“, welches heute Hotel und Museum zugleich ist. Nach einem kleinem Abstecher in eines der Moorgebiete des Nationalparks, ging es gegen Abend zurück in das 70 Kilometer entfernte Tallinn.

Gut Palmse

Nationalpark Lahemaa

 Den letzten Tag in der Hauptstadt nutzte die Reisegruppe für ein Gespräch mit dem Botschafter der deutschen Botschaft in Tallinn. Das spannende Gespräch gab Aufschluss über die Geschichte der Esten und ihren Bezug zu Deutschland. Er äußerte sich über die aktuelle politische Lage des Landes und Trends im Tourismus. Im Anschluss an das Gespräch ging es für alle auch schon zum Flughafen und somit auf die Rückreise nach Deutschland.

Acht erlebnisreiche Tage Estland mit seiner facettenreichen Natur- und Kulturlandschaft liegen nun hinter den Masterstudenten. Über 900 zurückgelegte Kilometer führten sie in fünf estnische Städte, zwei Nationalparks und sechs verschiedene Unterkünfte. Ein Land, das von der Fläche her etwas kleiner als das deutsche Bundesland Niedersachsen ist,
überzeugte mit einer bewegten Geschichte und einem gelungenen Lebensstil aus Tradition und Moderne. Zurück in Deutschland fängt für die Studierenden die Arbeit nun erst richtig an. Jetzt gilt es die Erkenntnisse der Exkursion auszuwerten, das Potenzial der Destination Estland in Bezug auf touristische Angebote zu bewerten und entsprechende Estland-Reisen für den deutschen Markt zu entwickeln.

 

Gruppenbild WTm15


Text:     Anthea Fiedler, Frank Glunk
Fotos:     Anthea Fiedler, Willi Weickert