Phase 1 – Vorbereitung und Vorfreude
Ein Auslandssemester ist in meinem Studiengang Internationales Tourismusmanagement ein obligatorischer Bestandteil des Modulkatalogs. Das war rückblickend auch ein entscheidender Grund für mich, nach meinem Bachelor Studium in Görlitz, auch den Master an der HSZG zu absolvieren. Von anderen Matrikeln vor mir wusste ich bereits, dass sich immer ein Großteil für den Aufenthalt auf Bali entscheidet und darüber nur Gutes zu berichten weiß. Nachdem ich mich also mit den Studienprogrammen, die zur Auswahl standen, näher beschäftig hatte, stand auch für mich fest – es wird Bali!
Ich entschied mich, wie schon einige meiner Vorgänger*innen für das Studienprogramm IBSN (International Business Studies Network) von Prof. Dr. Stephan Passon (FH Dortmund) und der Udayana University Denpasar mit Standort in Jimbaran. Die Verantwortlichen des Programms helfen Studieninteressierten von Anfang an, optimal auf den anstehenden Aufenthalt vorbereitet zu sein und kümmern sich um alle möglichen Anliegen immer zeitnah. Aber man muss sich natürlich auch um einige Dinge selbst kümmern, weil sie einem kein anderer abnehmen kann. Dazu gehört beispielsweise die Impfpasskontrolle. Hier ist es sehr ratsam, im Gesundheitsamt an einer Impfberatung teilzunehmen. Die Ärzte und Schwestern wissen genau, welche Impfungen für einen Aufenthalt in Indonesien empfohlen werden und können diese auch gleich zur öffentlichen Impfsprechstunde verabreichen. Für den Auslandsaufenthalt auf Bali werden unter anderem Tetanus- und Hepatitis A und B Impfungen empfohlen. Außerdem leben auf Bali eine Menge Straßenhunde, die neben anderen Krankheiten auch Tollwut übertragen können. Somit ist eine Tollwut-Impfung ratsam, genauso wie je eine gegen Typhus und Japanische Enzephalitis. Auch der Reisepass muss spätestens bei der Visabeantragung gecheckt werden, denn dieser muss noch mindestens sechs Monate ab Zeitpunkt der Einreise gültig sein. Die Visabeantragung an sich ist nicht allzu kompliziert. Das IBSN stellt die notwendigen Unterlagen zu Verfügung.
Wenn dann alles Bürokratische geklärt ist, kann man sich den schöneren Dingen widmen. Für mich hieß das ein Zimmer suchen. Ich hatte im Vorfeld von Kommilitonen*innen gehört, dass es auch vor Ort einfach und vor allem viel preiswerter ist, ein Zimmer oder eine Villa zu suchen. Ich konnte mich jedoch nicht mit dem Gedanken anfreunden, die erste (unbestimmte) Zeit in einem Hostel zu leben. Auch für die Unterkunftssuche bietet IBSN seine Hilfe an. Sie haben den Kontakt zu einer Vermittlungsagentur, die auch von einem Alumnus des Programms betrieben wird. Die Preise sind absolut gerechtfertigt und ich hatte ein wirklich schönes Zimmer, dass nur 10 Minuten Fußweg von der Uni entfernt lag. Also auch für Nicht-Scooterfahrer geeignet.
Phase 2 – Bali Vibes genießen
Ich kam in der Nacht auf Bali an, aber ich merkte sofort, dass es hier nur selten wirklich still wird. Als ich mit dem Taxi die Straßen entlang nach Jimbaran fuhr, waren noch überall Menschen unterwegs. Und das obwohl Jimbaran eine eher ruhige Ecke ist. Bevor meine Vorlesungszeit anfing, hatte ich sieben Tage, um die Insel und meine neue temporäre Heimat etwas besser kennenzulernen. Da es jedem Studierenden selbst überlassen ist, wann man anreist, kann man sich vorher und natürlich auch nachher einen Puffer zum Reisen schaffen. Ich genoss bereits einige Strände und das herrliche Wetter, bevor ich mich meinem Studierendenalltag widmete. Am ersten Unitag war ich dann erst einmal überwältigt von der Größe der Aula und von der Masse an Menschen auf dem Campus der Udayana University. Das war wirklich gar nicht zu vergleichen mit meinem gewohnten Umfeld aus Görlitz. Aber genau das sollte mein Auslandsaufenthalt mir ermöglichen – meinen Horizont erweitern. Die Udayana Universität ist eine staatliche Universität auf Bali und ist in drei Campusbereiche aufgeteilt, an denen insgesamt etwa 18.000 Studierende lernen. Da ich an der Fakultät für Wirtschaft eingeschrieben war, war mein Fokus auch auf dem Campus in Jimbaran.
Vor mir lagen 16 Wochen Vorlesungszeit, die in verschiedene Blöcke eingeteilt waren. Anders als meine Kommiliton*innen, die ich auf dem Campus der Udayana kenngelernt habe, hatte ich das Glück, dass die Hochschule Zittau/Görlitz alle Module anerkennt und ich somit auch die vollen ECTS Punkte erhalten konnte, ohne im Nachgang Module in Deutschland belegen zu müssen. Das war für mich persönlich ein sehr entscheidender Faktor. Da das Studienprogramm IBSN nicht rein touristisch ausgelegt ist, sondern die wirtschaftliche Komponente im Fokus steht, hatte ich bei den Modulen einen breiten Querschnitt, der mir einen großen Spielraum zur Wissenserweiterung ermöglichte.
Insgesamt belegte ich sechs Module. Von Business Economics in Schwellenländern bis zu Tourismusmarketing war fast alles dabei – auch die Landessprache Bahasa Indonesia und Interkulturelles Management. Auch wenn die Studierenden des Programms vorwiegend aus Deutschland kommen und wir somit untereinander viel deutsch kommunizieren konnten, werden alle Lehrveranstaltungen selbstverständlich in Englisch abgehalten. Wenn du auch über einen Auslandsaufenthalt nachdenkst und dir Sorgen machst, dass deine Sprachkenntnisse nicht ausreichen, dann rufe dir ins Gedächtnis, dass die Professor*innen und Dozent*innen auf Bali auch keine Muttersprachler sind und nur teilweise im Ausland studiert haben. Sprachbarrieren gibt es in der Uni somit kaum.
Ein typischer Unitag begann für mich halb neun am Morgen. Dann nahm ich an jeweils drei Blöcken teil, die natürlich durch Pausen getrennt waren. Von Montag bis Mittwoch hatte ich klassische Lehrveranstaltungen, am Mittwochnachmittag fand immer eine Guestlecture statt, die von unserem Empowerment-Team organisiert wurde. Die Einteilung in diese Teams erfolgte bereits bei der Bewerbung bei IBSN und begründet sich aus den jeweiligen individuellen Interessen des Einzelnen. Ich beispielsweise war Teil des Marketing Excursion Teams. Meine Aufgabe während des Semesters bestand darin, für meine Klasse jeden Donnerstag, der extra dafür auch Lehrveranstaltungsfrei war, eine Exkursion mit marketingspezifischem Hintergrund zu organisieren. Diese Empowerment-Teams helfen auch dabei, mit den anderen Studierenden ins Gespräch zu kommen. In unserem speziellen Fall war das komplette Görlitz-Matrikel auf Bali, sodass es uns auch die Möglichkeit gab, bestehende Grüppchen aufzubrechen und somit einen Austausch zu ermöglichen. Die Exkursionen gaben natürlich auch die Möglichkeit die Insel besser kennenzulernen und einige Highlights zu sehen. Bei allen Veranstaltungen und Exkursionen besteht eine Anwesenheitspflicht. Alle Studierenden benötigen 75%, um letztlich zu den Abschlussprüfungen zugelassen zu werden.
Auch wenn es auf den ersten Blick wirkt, als wären die Tage vollgepackt, kommt die Freizeit nicht zu kurz. Das Entdecken von neuen Abenteuern und der landestypischen Kultur ist auf jeden Fall eine weitere Möglichkeit und in meinen Augen auch Sinn des Auslandssemesters. Des Weiteren sind während des Semesters zwei Wochen Break, also Ferien. Die habe ich auch genutzt, um über die Insel zu reisen und mir viele schöne Orte anzusehen. Ich war beispielsweise eine längere Zeit im kulturellen Zentrum Balis und habe viele Tempel besucht und an Yogapraktiken teilgenommen. Außerdem war ich in Balis einzigem Nationalpark und habe den vom Aussterben bedrohten Bali Star sehen können. Auch am Surfen habe ich mich probiert.
Nach den Ferien stand dann wieder der reguläre Semesterbetrieb an, bevor es an die Abschlussprüfungen ging. Allerdings hatten wir kaum Prüfungen im klassischen Sinn. In den meisten Modulen haben wir, wie es in den Masterstudiengängen üblich ist, Gruppenprojekte durchgeführt, deren Präsentation vor der Gruppe und jeweils niedergeschrieben als Hausarbeit dann auch die Prüfungsleistung darstellten. Somit hatten wir auch oft die Möglichkeit, unsere Zeit flexibel einzuteilen.
Phase 3 – Die einzigartige Zeit in Erinnerung behalten
Wie alles im Leben, hatte jedoch auch die schöne Zeit auf Bali ein Ende und mein Rückflug nach Deutschland stand an. Anfänglich war ich voller Vorfreude darauf, nach langer Zeit meine Lieben in der Heimat wieder in die Arme schließen zu können. Aber ein paar Tage vor dem Abflug packte mich dann doch die Rückkehrer Melancholie, die auch zurück zu Hause noch etwas anhielt. Sicher hat das auch mit dem krassen Wetterumschwung zu tun, den man erlebt, wenn man bei tropischen Temperaturen und Sonnenschein ins Flugzeug ein und bei winterlichen 2 Grad und Schneefall wieder aussteigt.
Nun sind ein paar Wochen vergangen und ich habe alle meine Eindrücke langsam verarbeitet und bin wieder angekommen. Rückblickend war das Auslandssemester auf Bali eine der besten Entscheidungen meiner Studienzeit. Ich habe nicht nur ein anderes Land und dessen Kultur kennengelernt, sondern konnte auch neue Bekanntschaften schließen. Vor allem soziale und interkulturelle Kompetenzen konnte ich während meiner Zeit an der Udayana weiter ausbauen. Allen, die überlegen auch nach Bali zu gehen, kann ich nur beipflichten.
Nutzt diese Chance, wahrscheinlich habt ihr sie nur einmal in eurem Leben!