Gemeinsame Erklärung der Hochschule Zittau/Görlitz und des Internationalen Hochschulinstituts Zittau der Technischen Universität Dresden
Präambel
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in der Zittauer Stadtgesellschaft, die zuletzt im Zusammenhang mit der geplanten Unterbringung von Geflüchteten im Stadtteil Hirschfelde in der Störung der Sitzung des Zittauer Stadtrats durch aufgebrachte Bürger*innen gipfelten, verabschieden die Hochschule Zittau/Görlitz und das IHI Zittau der Technischen Universität Dresden folgenden Aufruf:
Wir leben in herausfordernden Zeiten. Unsere Gesellschaft steht vor multiplen und komplexen Herausforderungen, die bisher Gewohntes und Bewährtes in Frage stellen, neue Vorschläge, Lösungen und deren kritische Überprüfung erfordern. Sie erzeugen Handlungsdruck und verursachen Unsicherheit – für die Gesellschaft im Ganzen, aber auch für jede und jeden Einzelnen von uns.
Unsere Gesellschaft verändert sich rasant. Wir sind Teil globaler und europäischer Veränderungsdynamiken und zugleich damit beschäftigt, unsere eigenen Entwicklungsprobleme zu lösen. Die uns alle angehenden Themen reichen von der Alterung der Gesellschaft und dem zunehmenden Mangel an Fachkräften oder Klimawandel und Digitalisierung bis zur Fluchtmigration und zum regionalen Strukturwandel im Zusammenhang mit dem beschlossenen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung.
Zukunftsgestaltung braucht eine demokratische Debattenkultur. In den Beratungen und Diskussionen dieser Themen zu Hause am Küchentisch, in der Pause am Arbeitsplatz oder in politischen Entscheidungsgremien ist eine demokratische Kultur unumgänglich. Es braucht die Anerkennung des je anderen und dessen Position als gleichberechtigt, die Fähigkeit des Zuhörens sowie den Willen, die Probleme demokratisch und gemeinsam zu lösen.
Voraussetzung für jede demokratische Debatte ist Menschlichkeit. Ohne Menschlichkeit droht eine Gesellschaft zu verrohen und den sozialen Zusammenhalt zu verlieren. Menschlich handeln wir, wenn wir uns gegenseitig als Menschen mit grundsätzlich gleichen Rechten anerkennen sowie respektvoll, unterstützend und solidarisch miteinander umgehen – egal ob es sich um alte Bekannte, uns unbekannte deutsche Staatsbürger*innen oder um Menschen handelt, die in unserem Land Schutz vor Verfolgung, Krieg oder Arbeit und persönliches Lebensglück suchen. Wir in der Dreiländerregion haben in der Vergangenheit am eigenen Leib erfahren, was geschlossene Grenzen bedeuten. Umso mehr schätzen wir es, dass wir uns heute frei und grenzenlos bewegen können. Es ist für uns zum Alltag geworden.
Als akademische Bildungsinstitutionen der Dreiländerregion leben wir Offenheit, Menschlichkeit und Demokratie. Unsere Studierenden und Kolleginnen und Kollegen kommen aus der ganzen Welt zu uns. Es zeichnet uns als Bildungs- und Wissenschaftsinstitutionen aus, dass wir zugleich familiär und global orientiert sind. Von dieser Pluralität, Offenheit und globalen Kooperation profitieren auch die Menschen und die Wirtschaft unserer Dreiländerregion.
Wir, die Hochschule Zittau/Görlitz und das Internationale Hochschulinstitut Zittau der Technischen Universität Dresden, setzen uns für Menschlichkeit, eine demokratische Kultur und ein solidarisches Miteinander in unserer Region ein und laden alle Bürgerinnen und Bürger ein, darin mit uns gemeinsam zu handeln.