Sieben Studierende des Masterstudiengangs Pharmazeutische Biotechnologie und Mitarbeitende des Forschungsprojekts GreenPharming erhielten bei Sanofi in Frankfurt-Höchst Einblicke in die industrielle Herstellung von Insulin. Die Exkursion verband aktuelle Studien- und Forschungsthemen mit der biotechnologischen Praxis im industriellen Maßstab.
Anfang Juni besuchte die Gruppe der Hochschule Zittau/Görlitz den Sanofi-Standort im Industriepark Höchst. Dort befindet sich eine der weltweit größten Produktionsanlagen für Insulin. Neben klassischem Humaninsulin stellt das Unternehmen schnell und langsam wirkende Insulinanaloga her, die insbesondere in der intensivierten Insulintherapie eingesetzt werden.
Sanofi produziert Insulin mithilfe gentechnisch veränderter Bakterien. Aus den Mikroorganismen lässt sich das Hormon, das im menschlichen Körper normalerweise in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, in großen Mengen und mit hoher Reinheit gewinnen.
Die besichtigte Produktionsanlage erstreckt sich über mehrere Stockwerke. In ihr entstehen Humaninsulin und ein lang wirkendes Basalinsulin. Die Herstellung umfasst zahlreiche aufeinander abgestimmte Prozessschritte.
Am Anfang steht die Fermentation des bakteriellen Produktionsstamms in großen Bioreaktoren. Anschließend wird das Insulin unter anderem abgeschieden, gefaltet und enzymatisch gespalten. Weitere Anlagen dienen der Reinigung des Wirkstoffs. Besonders eindrucksvoll waren die dafür eingesetzten Chromatographiesäulen mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter.
Die Studierenden konnten nachvollziehen, wie komplex die Übertragung biotechnologischer Verfahren aus dem Labor in die industrielle Produktion ist. Gleichzeitig wurde deutlich, welche Bedeutung präzise Prozessführung, Qualitätssicherung und reproduzierbare Produktionsbedingungen für die Arzneimittelherstellung haben.
Ein weiterer Schwerpunkt der Besichtigung lag auf dem hohen Automatisierungsgrad der Anlage. Viele Produktionsschritte laufen ohne die ständige Anwesenheit von Personal in den Produktionsräumen ab. Die Prozesse werden kontinuierlich überwacht und gesteuert.
Zusätzlich besuchte die Gruppe eine moderne Produktionsanlage für schnell wirkende Insulinanaloga. Der Vergleich der Anlagen zeigte, wie sich technische Standards, Prozesssteuerung und Produktionsbedingungen in der pharmazeutischen Biotechnologie weiterentwickeln.
Für die Studierenden bot die Exkursion einen unmittelbaren Einblick in mögliche berufliche Tätigkeitsfelder. Inhalte aus dem Studium wurden in einem industriellen Umfeld sichtbar und konnten mit konkreten Produktionsprozessen verknüpft werden. Auch für das Forschungsprojekt GreenPharming ergaben sich Anknüpfungspunkte zur biotechnologischen Herstellung und Aufbereitung pharmazeutischer Wirkstoffe.
Neben dem fachlichen Programm blieb Zeit, Frankfurt-Höchst kennenzulernen. Bei einem Rundgang durch die historische Altstadt probierte die Gruppe regionale Spezialitäten wie Apfelwein und Handkäse.
Ein besonderer Dank gilt Dr. Ingo Voss von Sanofi Deutschland. Er führte die Gäste mehrere Stunden durch die Produktionsanlagen, erläuterte die einzelnen Prozessschritte und beantwortete zahlreiche Fragen. Ebenso dankt die Hochschule Manfred Hörter von msg industry advisors, der den Kontakt zu Sanofi hergestellt und damit die Exkursion ermöglicht hat.