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03. März 2026

Autor Lukas Rietzschel zu Gast im Görlitzer Lehramtsstudium

Dass Literatur nicht nur etwas ist, das im Lehrplan steht und aus der Feder von bereits verstorbenen Menschen stammt, konnten die Studierenden des Lehramts Deutsch in der letzten Semesterwoche an der HSZG eindrucksvoll erleben. Im Rahmen des Seminars zur Einführung in der Literaturwissenschaft war der aus Görlitz stammende Autor Lukas Rietzschel, der sich gerade mit einem Arbeitsstipendium in Italien befindet, virtuell zu Gast – und stellte sich den mal amüsanten, mal kritischen Nachfragen der Studierenden. 

Dabei ging es nicht nur um die Fragen, woher Rietzschel die Stoffe für seine Romane "Mit der Faust in die Welt schlagen" und "Raumfahrer" gewinnt, die beiderseits in der Lausitz – und damit auch in den Herkunftsräumen der Studierenden – spielen, und wie er diese Stoffe literarisch verarbeitet. Es ging auch darum, wie der Arbeitsalltag als Autor aussieht, was man am besten bei Liebeskummer macht, wie sich kulturelle Erzählgemeinschaften bilden und welch bisweilen provokante Wirkung von Literatur ausgeht. Und ganz grundsätzlich: Was machen literarische Texte eigentlich mit denjenigen Räumen, in denen sie entstehen und auf die sie zurückwirken?

Im besonderen Fokus der Studierenden stand nicht zuletzt die Fachdidaktik. Lukas Rietzschel berichtete in diesem Zusammenhang auch von seinem eigenen Schulalltag – und von der Qual, die ihm der mitunter starre und eindimensionale Unterricht bereitet hatte. Eine Qual, die gar so weit führte, dass er versuchte, die allseits bekannten Hamburger Lesehefte, mit denen Schüler die Klassiker der Literatur kennen lernen sollen, durch verschiedene Strategien (zwischen Verstecken und Verbrennen) verschwinden zu lassen. 

Lukas Rietzschel berichtet dazu auch im Video.

Wie sollte, so war dann eine anschließende Frage, denn ein guter Literaturunterricht überhaupt aussehen und was sollte er versuchen zu erreichen? Lukas Rietzschel verbindet damit einen grundlegenden Ansatz, der sich an den individuell Lernenden orientiert und nach eigenen Beziehungen zu Literatur suchen lässt und berichtet davon im zweiten Video.

Die beiden angehenden Lehrer Lysann Junge und Vincent Lieberum waren sich jedenfalls einig, dass solche Veranstaltungen in Zukunft gern wiederholt werden können. "Interessant war, dass man durch das Gespräch nochmal einen ganz anderen Zugang zu den Texten und zum Autor bekommt", sagte Junge. "Da waren dann auch schon einige sehr tiefgehende Gedanken mit dabei", ergänzte Lieberum. 

Das Seminar hatte zuvor schon einen besonderen Rahmen erhalten: Zum Auftakt lasen einige der Studierenden aus selbst verfassten Gedichten – ein Akt, der nicht nur zur spielerischen Literaturanalyse jenseits von Jambus und Trochäus einlud, sondern vor allem auch Anerkennung und Wertschätzung fand. "Der Kurs zeigte ganz gut", so befand Marc Weiland, Vertretungsprofessor für Literaturwissenschaft an der HSZG und Leiter des Seminars, "dass Literatur etwas sehr Lebendiges sein kann; etwas, das seinen Platz auch in unserem Alltag und in unserer Region hat. Daran wollen wir mit unseren Studierenden weiterarbeiten."

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